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Neu-Mecldenbiirg.
Der einheimische Handel der Küstenleute ist doppelter Art, nach dem Innern der Insel und über See. Den Bergstämmen fehlt die Kokosnuß und Seewasser zum Würzen der Speisen. 1 ) Sie tauschen diese Dinge ein gegen 2 ) Speere, den Kampfschmuck sui-sui, Gürtelbänder, Körbe und vielleicht noch andere Gegenstände. Angeblich benutzen die Küstenleute die Tritonsmuschel 3 ), um durch Blasen vom Boot aus die Bergstämme zum Tauschhandel einzuladen. Als Transportmittel dienen am Lande nur Henkelkörbe und lange Streifen von Bastzeug, 4 ) mit deren Hülfe Lasten auf dem Rücken getragen werden. Zwischen Laur und den südlichen Landschaften ließ sich keine Handelsverbindung — weder zu Lande noch zu Wasser — feststellen. Dies ist um so auffallender, als Laur nach Mioko und dieses wieder nach Kandaß und Pugusch Handel treibt. Allerdings weicht die Sprache Laurs so von der der südlichen Landschaften ab, daß eine Verständigung nur mit Hülfe von Pidgeon möglich ist. Vielleicht ist auch die alte Feindseligkeit 5 ) noch nicht vergessen. Kandaß und Pugusch können sich mit Leichtigkeit verständigen, und sie pflegen nicht nur rege Beziehungen untereinander, sondern auch mit Tokio (Mioko), Birrar (Gazelle- Halbinsel) und Jannirr, offenbar dem Aneri der Karten, worauf der Speer Abb. 32 Nr. 7 S. 47 und 33 a hinweist. So fanden sich in Kandaß Muschelarmbänder und Stirnschmuck aus Mioko, Nasenpflöcke von der Gazelle-Halbinsel und rote Farbe aus Jannirr, in Lamassa ein Armband aus Mimiassa (Ostküste von Pugusch) und eine Tanzhaube von Kasuarfedern aus Küan 6 ) auf der Gazelle-Halbinsel, auf Neu- Lauenburg verschiedene Boote und Bootverzierungen aus Kandaß und in Matupi sogar ein Mon, der in Lamassa gebaut und dort gekauft worden war. Auch Rogenkappen werden von Kandaß nach Neu-Lauenburg verhandelt. Von Balana- wang und Waira rudern die Leute bei ruhigem Wetter mit dem Einbaum in einem Tage nach Kali].
Bootbau.
Von Oberleutnant zur See Klüpfel.
Man unterscheidet an der Westküste von Süd-Neu-Mecklenburg zwei Arten von Booten:
Den Einbaum mit Ausleger und den Mon (Abb. 67 S. 74). 7 )
Die erstere Klasse entspricht der im Allgemeinen in der ganzen Südsoe vorkommenden Art von Booten, die sich wohl aus dem einfachen Einbaum heraus entwickelt haben. Bei fast allen diesen Booten ist das Prinzip des Einbaumes noch genau zu erkennen, mögen sie auch in vielen Teilen der Südsee
') In 'Matupi hörte ich folgendes erzählen: Früher betrachteten die Küstenbewohner der Gazelle-Halbinsel den Besitz des Seewassers als Monopol und verkauften es bis weit ins Innere. Wer heimlich an die Ivüste kam, um das würzige Naß zu „stehlen“, wurde erschlagen.
2 ) S. die Angaben bei den betreffenden Kapiteln.
3 ) Berl. Sammlung VI. 24 380.
4 ) S. S. 54. 5 ) S. S. 114 ff.
°) Auf den Karten nicht verzeichneter Ort, vielleicht Kabanga.
‘) Vielleicht geht die Erfindung der Ausleger auf die Beobachtung der Tatsache zurück,
daß ein mit seinen Asten auf dem Wasser schwimmender Baum ein weit stabileres Fahrzeug dar- stellt, als ein glatter Stamm, S. aber S. 191,