Gold und Handel.
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zerklopften Stengel von Derris elliptica verwendet. Das Gift muß für Menschen unschädlich sein oder beim Dünsten der Fische zerstört werden. 1 ) Am liebsten wäre den Eingeborenen das Fischescbießen mit Dynamitpatronen, doch kommen sie glücklicherweise nur selten in den Besitz dieses Mittels, das bald mit dem Fischreichtum der Küstengowässer aufräumen würde. Da die Leute mit den Patronen nicht richtig umzugehen wissen, ereignen sich außerdem häufig Un- glücksfällo. la )
Geld und Handel.
Während man auf der nördlichen Küste der Gazelle-Halbinsel von den Eingeborenen fast nur nocli gegen bares Geld kaufen kann, überwog auf Ncu- Mocklenburg im Verkehr mit dem Weißen Manne bei weitem der Tauschhandel. Infolge dessen ist unter den Eingeborenen der Gazelle-Halbinsel viel bares Geld vorhanden, und es ist gar nicht selten, daß ein reicher Mann für ein kleines Segelboot europäischer Machart 1000—1200 Mark bar bezahlt. In Neu-Mecklenburg verlangten fast nur die Häuptlinge Geld und zwar stets Silbergeld, dessen Arten sie genau zu unterscheiden wissen. Vom Wert des Geldes haben sie aber nur unbestimmte Vorstellungen und sind mit der Hälfte oder einem Drittel des ursprünglich geforderten Preises auch zufrieden. 2 ) In Kalil mußte ich eine Keule (Abb. 38 S. 50) mit 5 „fellowMark“ bezahlen, ein Stück Diwarra (s. später) von 2 Klafter Länge mit 4 Mk., ein 40 cm langes Stück Lindaran bei Palong Pulo in King mit 2 Mk., die beiden Monaufsätze bei Tompuan in Lamassa mit je 5 Mk. 3 ) In Umuddu und Matamburr nahm man auch Nickelgold an. Für die Bildsäule (Taf. VII/VIII 9) bezahlte ich 1 großes Buschmesser und 1 Taschenmesser, also einen Geldwert von etwa 2,40 Mk. Um zu verhüten, daß die Eingeborenen übervorteilt werden und verarmen, hat das Gouvernement verboten, daß Weiße sich des Muschelgeldes als Zahlungsmittels bedienen. 4 )
Der von Schnee 5 ) für die Gazelle-Halbinsel erwähnte Reichtum an Muschelgeld ist im Süden von Neu-Mecklenburg bestimmt nicht vorhanden, wenn ich auch keine bestimmten Angaben über den vorhandenen Besitz machen kann. 6 ) Ich fand folgende Geklärten vor (Taf. II/III Nr. 25—29):
‘JS. S. 56. ia )S. S. 115.
2 ) Nur Muschelgeld scheint eine Art festen Kurs zu haben.
3 ) Vielleicht interessiert die Angabe, daß die ganze, dem Berliner Museum überwiesene Sammlung von über 600 Stücken nur etwa 550 JC gekostet hat, wovon 100 <M auf eine kleine Sammlung von der Insel Durour aus dem Nachlaß eines Händlers und gegen 200 JIL auf Verpackungskosten in Matupi entfallen.
4 ) Die Einwohner der Gazelle-Halbinsel beziehen nämlich die Nassa-Schnecken, aus denen das Diwarra gemacht wird, von der Nalcanai-Küste, was eine langwierige und vielleicht manchmal nicht gefahrlose Fahrt nötig macht. Der Europäer, überdies mit besseren Fischereigeräten ausgerüstet, würde natürlich die Schnecke leicht in großen Mengen beschaffen können und damit das Geld der Eingeborenen in hohem Grade entwerten.
B ) 1. c. S. 19—21.
ö ) Ebensowenig habe ich den für Neu-Lauenburg bekannten Namen pele für Muschelgeld gehört.
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