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Neu-Mecklenburg.
heimische Art, angohaut,') doch muß es ein höllisches Kraut sein, da es selbst den Eingeborenen „den Mund verbrennt“. Der Tabak wird aus eingeführten kurzen Tonpfeifen geraucht.
Die europäische Küche, namentlich auch das Brot, war hei den Leuten sehr beliebt. Von unserm Mannschaftscssen an Bord konnten sie doppelte ja dreifache Portionen verzehren. * 2 ) Der Verkauf von Alkohol an die Eingeborenen ist im Schutzgebiet seit 1886 verboten, zweifellos eine der segensreichsten Maßnahmen der Regierung. Aber die Erinnerung an seine Queensländer Tage entlockte unserm Freunde Tompuan aus Lamassa einmal den tiefen Stoßseufzer: „0 kiab (Herr), me like Cognac!“
Viehzucht und Ackerbau.
Als Haustiere werden Schweine, 3 ) Hunde 4 ) und Hühner, viel seltener Katzen 5 ) gehalten. Schweine und Hühner wurden hei unsrer Ankunft größtenteils versteckt: man scheint früher üble Erfahrungen gemacht zu haben. Bei Personen- und Besitzstandaufnahmen 6 ) in Kalil wurden in Bezug auf den Viehstand bestimmt falsche Angaben gemacht. Einfriedigungen für Schweine und eine Art Hühnerställe gab es nur in Kalil. Einen wesentlichen Teil der Volksernährung bilden die Erträge der Viehzucht nicht. 7 ) Die Hauptmenge der Nahrungsmittel liefert der Ackerbau. Jedes Dorf ist schon von weitem an seinen Kokospalmen kenntlich, die nur selten auch da Vorkommen, wo sich keine Ansiedlungen befinden. Sie stehen entweder in zwei Reihen am Strande entlang wie in Lamassa (Abb S. 61), Kalil (Abb. S. 62) und Balanott oder regellos durch das ganze Dorf verteilt, wie in King (Abb. S. 93) und in Kait. Die Häuptlinge besitzen bis 50 Bäume, der durchschnittliche Besitz beträgt etwa 15 Stämme für jeden Mann. Eine eigentliche Plantagenwirtschaft gibt es nicht, aber man sorgt doch dafür, daß der Bestand sich etwa erhält. Nur in Kalil schien man eine kleine Pflanzung angelegt zu haben. Dort wurde auch allein Kopra bereitet, während man in den übrigen Dörfern die Nüsse selbst verzehrte. Zum Besteigen der Kokospalmen dient eine roh zusammengedrehte Schlinge 8 ) aus Wurzeln oder Kokosfiedern. Wer einen Stamm erklettern will, tritt in die Schlinge, spannt sie mit den Füßen breit, springt wie ein Frosch an den Baum, umschlingt ihn mit den Armen, hockt die Beine an, stützt sich mit den Füßen und der straff gespannten Schlinge an den Vorsprüngen der Rinde ab und schiebt den Oberkörper am
') Tabakbau ist auch z. B. bei den Baining vorhanden (Foy in Publ. Kgl. Ethnogr. Mus., Dresden, XIII [1900] p. 8) und anscheinend besonders am Augustafluß in N.-Guinea hoch entwickelt. Hollrung in Nachr. üb. Kais.-Wilh.-Ld. 1888 p. 30.
J ) An Bord erfreute sich der Barriai Muli (s. Globus 1906, Bd. 89, S. 15), der kaum über die Pubertätsjahre hinaus war, eines solchen Flegeljahre-Appetites, daß sich alle andern Farbigen über ihn lustig machten.
3 ) Die frei im Walde lebenden Schweine sehen anders aus wie die zahmen, dürften aber doch von diesen abstammen.
') Jeder Hund hat einen Namen. S. Anhang 2.
5 ) S. Bild S. 102. 6 ) S. Anhang 2. S. 55.
8 ) kinambirr. Berl. Sammlung VI. 24366.