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Neu-Mecklenburg (Bismarck-Archipel) : d. Küste von Umuddu bis Kap St. Georg ; Forschungsergebnisse bei d. Vermessungsfahrten von S. M. S. Möwe im Jahre 1904 ; mit 10 Taf., 3 Noten-Beil., zahlr. Abb. / hrsg. von Emil Stephan und Fritz Graebner
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Ernährung.

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Feldarbeit liegt den Weibern ob, alles Übrige ist Sache der Männer. Ferner besteht eine gewisse Arbeitsteilung zwischen den Küsten- und den Bergbewohnern.') In Watpi fand sich sogar eine Art Industrie, die Herstellung von gerollten Panda­nusblattstreifen im Großen zum Zwecke des Handels. Ebenso werden in Kandaß und Pugusch Booto nach Neu - Lauenburg und bis auf die Gazelle-Halbinsel verkauft. Auf die Anfertigung der Plankenboote (s. S. 80) versteht sich nur ein Teil der Männer.

Ernährung.

Die Ernährung im allgemeinen ist nicht besonders reichlich: man sieht nur ganz vereinzelt Schmerbäucho und auch diese sind von mäßigem Umfange. Durchschnittlich sind die Leute schlank oder gar mager.

Die Zahl der aus dem Tierreich stammenden Nahrungsmittel ist sehr gering. Für gewöhnlich kommen nur Fische und Sc'haltiero in Betracht, Schweine und Hühner nur bei Festen, Opossums, Schildkröten und Vögel zufällig, wenn sio gerade erlegt werden, was bei der schlechten Bewaffnung durchaus nicht häufig ist. Eier von Buschhühnern und von Schildkröten bilden einen willkommnen Zuwachs zu der nicht eben reich besetzten Tafel. Hunde und Ratten sollen nicht verzehrt werden. Über den Genuß von Menschenfleisch sisinn ist schon auf Seito 26 gesprochen worden. Von Vegetabilien werden Taro, Yam, Maniok, Brotfrüchte, Kokosnüsse und Bananen, Betel- und Galipnüsse, Gurken und Me­lonen, eine Anzahl Früchte von untergeordneter Bedeutung, wie z. B. wilde Orangen, und verschiedene Pflanzen als Gemüse genossen. Unsere Gotreidearten, die Kartoffeln und der Reis sind unbekannt. Im Innern der Insel kommt die Kokospalme nicht vor, da sie den Seewind zum Gedeihen braucht. DenBusch­leuten fehlt also auch dieses wichtige Nahrungs- und Genußmittel. Dem Mineral­reich entstammen lediglich zwei Genußmittel: Salz in Form von Seewasser und gebrannter Korallenkalk als Beigabe zur Betelnuß.

Roh werden nur einige Früchte verzehrt. Alle übrigen Speisen, werden über offenem Feuer gekocht, geröstet oder gedünstet.

Zum Feueranmachen dienen heutzutage schon vielfach Streichhölzer, die ein begehrter Tauschgegenstand sind. Die einheimische Art des Feuermachens ist folgende: Man nimmt ein beliebiges Stück Holz, rund oder flach, und schlägt, früher wohl mit einem Muschelbeile, ein Stück (a sso) davon ab. 2 ) Man spitzt das kleinere Stück zu und stellt auf dem größeren Stück eine möglichst ebene Fläche her. Ein Mann nimmt den zugespitzten Spahn fest in die verschränkten Hände und reibt ihn unter starkem Druck mit kurzen Bewegungen auf der Holz­fläche hin und her. Dadurch entsteht eine Rinne, an deren entfernterem Ende sich schon nach 3 /i Minuten unter Rauchentwicklung (nimiss) ein feines Holz­mehl (tiginossünn) ansammelt. Das Reiben wird immer schneller, der Rauch wird stärker, die Ränder der Rinne schwärzen sich. Nun hält der Reibende, der in Schweiß geraten ist, inne, deckt die hohlen Händo eine Weile über das Häufchen Holzmehl und lüftet dieses mit einem Spahn ein wenig an: in dem

) S. S. 72 ti. 166.

2 ) Die kleinen Spaline, die dakei akfallen, heißen a ssab.