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Neu-Mecklenburg.
drei aus Bambus, mit ornamentierter Innenseite (Abb. 42) und einer aus Holz, abgerundet dreikantig. Die Pfeile da‘hai (Abb. 42) haben einen Schaft aus leichtem, woichem und eine Spitze aus Betelholz; die Befestigung geschieht durch eine starke Faser hinau.
Schutzwaffen sind in Neu-Irland heutigen Tages wahrscheinlich überhaupt nicht in Gebrauch. Lesson ’) erwähnt, daß die Bewohner von Likkilikki Schilde goliabt hätten, die den von Bougainville aus Choiseul beschriebenen 2 ) glichen. Diese aber — es ist augenscheinlich die eine der noch heut auf den Zentral- Salomonen gebräuchlichen Formen — waren der Schilderung nach oval und aus Pflanzenstengeln spiralig zusammengeflochten. Das paßt mit Ausnahme der spiraligen Anordnung auf die Marawot-Schilde 3 ) der Gazelle-Halbinsel; und da Duperrey die Eingeborenen gerade zur Zeit des Duk-Duk traf, waren es wahrscheinlich ähnliche Zeremonialschilde, die er oder seine Begleiter bei den Likki- likki-Leuten sahen.
Werkzeuge und Technik.
Es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß früher Muschel- oder Steinbeile in Gebrauch waren, und die Gestalt der eisernen Deissel (Abb. 43 S. 53) gestattet vielleicht sogar einen Rückschluß auf ihre Form. 4 ) Jetzt war an der ganzen Küste kein einziges Stück mehr vorhanden. Eine zweifellos einheimische Erfindung sind die Drillbohrer (Abb. 44 und 45 S. 53), früher mit einem Ilai- zahn (Abb. 44), jetzt mit einem Stück Eisen als Spitze. Scharfrandigo Muscheln dienen noch heute zur Bearbeitung von Nautilusschalen zu Stirnschmuck und zwar zur Herstellung der gezackten Ränder (Abb. 16 S. 37). Ein in King erworbenes Steinhämmerchen (Abb. 47) dürfte wo anders her stammen, da in keiner der drei Landschaften Muschelgeld gemacht wird. Von großem Interesse ist die Verwendung von Bambusmessern (Abb. 46 S. 53) zum Abnabeln und zu kleinen chirurgischen Operationen, z. B. zu Fingeramputationen. Ähnliche Bambusstücke 5 ) dienen zum Zerschneiden von Muschelgeldschnüren.
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahi-hunderts dürften die ursprünglichen Werkzeuge durch eiserne Geräte verdrängt worden sein. Bemerkenswert ist bei diesem Umwandlungsvorgange, daß die alten Steinwerkzeuge einfach durch eiserne ersetzt wurden, und daß dem ursprünglichen Kulturbesitz fremde Geräte, wie Hobel, Sägen, Hämmer und Stemmeisen, keinen Eingang fanden. Allgemein verbreitet sind jetzt Messer und Beile. Aber die Eingeborenen haben mit diesem „Kulturfortschritt“ nur scheinbar einen guten Tausch gemacht. Bekommen sie von vornherein nicht die besten Erzeugnisse unser Stahl- und Eisenindustrie in die Hand, so geraten diese bei dem völligen Mangel einer geeigneten Konservierung, die in den Tropen recht schwierig ist, sehr bald in einen erbärmlichen Zustand und erfüllen ihre Aufgabe nur noch unvollkommen. Die eisernen Werkzeuge erleichtern zwar die Arbeit, aber das veranlaßt die Eingeborenen nur, die
') Duperrey, Zoologie X. p. 98. 2 ) liougainville p. 2G9.
3 ) Meyer-Parkinson in Pukl. Kgl. Etlinogr. Mus. Dresden. X. Taf. 18. Vgl. S. 170 ff. und
Siidseekunst S. 107. 4 ) A r ergl. S. 1G8. 5 ) Herl. Sammlung VI. 24177.