Schlustbemcrkung.
Am Schluß dieser kleinen Skizze möge zur Vervollständigung derselben noch das zusammenfassende Urtheil Platz finden, welches der Verfasser in der Joinvillenser Zeitung vom 29. September 1899 über das Kolonisationsunternehmen der Hanseatischen Kolonisationsgesellschaft schrieb: „An Umfang
ein stattliches Fürstenthum, gehört das Kolonisationsgebiet an landschaftlicher Schönheit, Fruchtbarkeit des Bodens und Milde des Klimas zu den gesegnetsten Ländern. Seine umgrenzenden Gebirgsketten weisen zwar keine in die Wolken ragenden Bergriesen auf; dafür aber sind sie von einer wunderbar- abwechslungsreichen Formation. Rein und scharf begrenzt heben sich vom Horizont die Linien des Gebirgsstocks ab, unverkennbar seinen vulkanischen Ursprung in den überall vorherrschenden Bergkegeln verrathend, welche bald vom Fuße des Gebirges, bald vom Kamm eines langgedehnten Bergrückens in wunderbarer Gleichmäßigkeit aufsteigen.
Während diese Grenz- und Hauptgebirge nach Westen und Norden zu in das eigentliche Hochland übergehen, senden sie nach Osten in das Hauptgebiet der Kolonisation mehr oder weniger ausgedehnte Hügelketten, die allmählich in weite Ebenen verlaufen, durchzogen von großen Strömen und kleinen Flüssen und Bächen.
Und all' das Land, Berg und Thal, ist bedeckt von jungfräulichem Urwald, voll der besten Nutzhölzer, und harrt nur der menschlichen Arbeit, um Hunderttausenden eine neue Heimath zu bieten.
Die Luft, welche an der Küste durch ihren hohen Feuchtigkeitsgehalt, besonders im Sommer schwül und erschlaffend, ist in dem höher gelegenen Kolonisationsgebiet schon bedeutend frischer, und das Klima des Hochlands, welchem im Winter Schnee und Eis nicht fehlt, erhält dem Europäer die volle geistige und körperliche Frische und Rüstigkeit seiner alten Heimath.
Die Besiedlung dieser Ländereien wird für den Staat Sta. Catharina eine neue Periode seiner wirtschaftlichen, politischen und nationalen Entwicklung bringen. Die landwirthschaftliche Produktion des Staates wird durch die künftigen Kolonieen verdoppelt, neue Jndustrieen werden hier entstehen und dem Handel weite Bahnen eröffnen. Das Hochland, welches bisher wirtschaftlich isolirt war, wird durch eine zusammenhängende Kette neuer Ansiedlungen mit der Küste verbunden und ein reges Jneinanderleben beider bisher sich fremd gebliebenen Regionen erst jetzt ermöglicht. Mit der Zunahme der Bevölkerung im Nordgebiet des Staates wird naturgemäß der politische Schwerpunkt, welcher bisher nach Süden gravitirte, mehr und mehr nach Norden und nach dem Hochland hingelenkt.
Das Volkselement aber, von welchem all' die Umwälzungen ausgehen, und dem der Staat seinen neuen Aufschwung zu verdanken haben wird, das Deutschthum, wird die Anerkennung seiner Bedeutung im Staatsleben sich nicht länger vorenthalten lassen, und auf lusobrasilianischer Seite wird man sich in den Gedanken finden müssen, daß auch der deutschsprechende Theil der