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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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überhaupt nicht zur Blüthe. Die Behandlung und Pflege ist dieselbe, wie in Deutschland.

Die europäische Kartoffel trägt, wenn sie gedeiht, recht gut und hat einen hohen Preis, nämlich pro Kilo 12-18 vinterm (Rs. 2-10360>. Viele ziehen aber die hiesigen Kartoffelsorten vor und finden manche derselben wohlschmeckender und mehliger, als die europäische.

Die t!ru'ä

Es giebt mehrere Sorten OarL, darunter auch eine, welche ihre Früchte an den Ranken über der Erde trägt; doch wird diese mehr zu Futter, denn als menschliche Nahrung verwendet.

Von den verschiedenen Sorten Oarä, seien hier nur folgende erwähnt.

Die gewöhnliche Oarä, welche in Abständen von etwa zwei Fuß ge­pflanzt wird, treibt lange Ranken mit herzförmigen, zugespitzten Blättern von 23 Zoll Länge.

Zur Aussaat nimmt man kleine Knollen der vorjährigen Ernte. Die Pflanzlöcher werden in der 11rwaldsro<^a ziemlich groß und etwas tiefer gehackt, um ihnen möglichst freies Wachsthum zu schaffen. Vielfach wird der gehackte und gelockerte Boden gehäufelt, um so zubereitet die Saat auf­zunehmen.

Die 6arä hat einen gefährlichen Feind an der Tragameise, die ihre jungen Blätter mit Vorliebe abnagt und wegschleppt.

Die OarL Knolle ist länglich; am unteren Ende breiter und etwas abgeplattet, läuft sie nach oben, wo sie am Wurzelstock ansetzt, spitz zu.

Sie verträgt ziemlich bindigen Lehmboden, obwohl sie auf Sandboden am schmackhaftesten wird, und liefert auch reichen Ertrag. Auf den Stock rechnet man IVs1 Kg

Man Pflanzt unter die Oarü gerne Mais, an dessen Stauden sich die Ranken der Pflanze hochziehen, ohne ihm Abbruch zu thun, da der Mais beireits reif wird, wenn das Kraut der Oarä sich erst zu entwickeln beginnt.

Die Zeit der Aussaat ist August bis Ende Oktober; geerntet wird die 6arL im Mai, Juni und Juli.

Aus der Erde genommen hält sie sich längere Zeit; doch darf sie nicht in großen Haufen auf einander liegen.

Sie ist weniger mehlig, als die europäische Kartoffel, wird aber von Vielen bevorzugt, da sie sehr leicht zu verdauen ist.

Eine viel angebaute OarL-Art ist die Back-Oarü, so genannt, weil sie mit Vorliebe zum Brotbacken genommen wird. Pflanzung, Behandlung und Ernte ist, wie bei der gewöhnlichen 6arü. Ihre Knolle wird aber bedeutend größer, ja sogar einige Kilogramm schwer.

Roh gerieben giebt die Oarü einen zähen klebrigen Teig, der mit Mais­oder Weizen- und Mandiocamehl untermischt ein gutes Brod liefert. Auch giebt die Back-OarL roh gerieben und mit Mehl und Eiern unterrührt und in der Pfanne in Fett gebraten sehr schmackhafte Pfannkuchen.

Weitere Sorten, wie Finger-Oarrr, Riesen-Orrrü u. a. werden weniger angebaut.