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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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III. Die einzelnen Kulturgewächse.

Man erwarte im Folgenden nicht eine erschöpfende oder wissenschaftliche Abhandlung über die einzelnen hier angebauten Kulturpflanzen. Dem Zwecke dieser Schrift entsprechend, dem deutschen Leser einen Einblick in das Kolonistenleben Zu bieten und dem Einwanderer als Leitfaden für die Anfangszeit der An- siedlung im Urwalds zu dienen, mußte die Darstellung so gehalten werden, daß sie auch dem Nichtlandmann verständlich bleibt und in kurzen Zügen eine Uebersicht über die Pflanzzeit, die Behandlung und die Verwerthung der hier besprochenen Gewächse gewährt.

Der Mais.

Der Mais, von den Brasilianern miUro genannt, ist für den Kolonisten in Sta. Catharina die wichtigste Körnerfrucht. Er liefert ihm zum Brotbacken das Mehl und wird, fein geschroten, zu dickem Brei gekocht namentlich von den Italienern als Polenta gegessen, während das Maisschrot dünner gekocht eine gute Suppe giebt.

Noch unentbehrlicher, wie im Haushalt ist der Mais für die Vieh­wirthschaft. Als Kraft-, Milch- und Mastfutter nimmt er unter allen an­gebauten Früchten die erste Stelle ein: Mais ist die Grundlage aller Vieh­haltung vom Großvieh bis zum Geflügel.

Rindvieh und Schweine bekommen den Mais am besten geschroten. Vortheilhafter aber ist es Wohl, die Körner 48 Stunden in Wasser quellen zu lassen und dann erst zu verfüttern.

Die beste Pflanzzeit für Mais ist von Anfang August bis in die erste Hälfte Oktobers. Der früher gepflanzte Mais ist der Gefahr ausgesetzt, wenn er noch jung ist, in den kalten Nächten des Juni und Juli zu er­frieren, und der später gepflanzte wächst zu schnell und stark in die Höhe, setzt aber meist nur kleine Kolben an.

Man Pflanzt den Mais in Abstünden von k Meter, bei gutem Land jedoch besser etwas weiter, mit der Hacke oder einem unten zugespitzten Pflanz- stock. Die Löcher werden mit der Hacke nur so tief gemacht, um die Körner in den Boden bergen zu können, und dann mit dem Fuß zugetreten.

Mit dem Pflanzstock stößt man etwa 23 Zoll in den Boden und wirft die Körner in die Löcher, sie ebenfalls dann leicht zuscharrend. In jedes Loch wirft man 35 Körner: mehr wie 34 Stauden sollen nicht stehen gelassen und die überzähligen zu Futter ausgeschnitten werden.

Man pflanzt den Mais in der Regel nicht allein, sondern als Zwischen­frucht unter fast alle anderen Pflanzen; doch muß dann die Pflanzweite größer gewählt werden z. B. bei Zuckerrohr und aus gutem Boden bis auf 2 Meter.

Besondere Pflege erfordert der Mais nicht; nur muß er, bis er die Höhe von 1 Meter erreicht hat, sorgfältig von Unkraut rein gehalten werden. In der Regel genügt in frischer Urwaldsroem ein zweimaliges Jäten. Das aufkommende Unkraut nach Entwicklung der Kolben schadet nicht mehr.

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