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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
Entstehung
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stampft die Körner ab. Manche streifen die Körner auch schon auf dem Felde von den Aehren ab.

Den Reis für den eigenen Bedarf bewahrt man am besten in den Aehren auf, die man zu Bündeln zusammenbindet und aufhängt.

Vom Morgen erntet man 1015 Sack zu 60 Kilo und mehr ungeschälten Reis. Der Sack wird zu Rs. 3IOOO5A000 verkauft.

Für die eigene Wirtschaft entkörnt der Kolonist jedesmal soviel wie er bedarf.

Außer zu Speisen wird der Reis auf der Schrotmühle, welche in keinem Kolonistenhaushalt fehlen darf, gemahlen und das durchgesiebte Mehl zu Brod mit Maismehl, Weizenmehl und Mandiocasarinha vermischt verbacken.

Für Hühner ist der Reis in Schalen ein gutes Futter und wirkt günstig auf das Eierlegen.

Roggen, Weizen, Gerste, Hafer.

Die europäischen Körnerfrüchte gedeihen im Küstengebiete von Sta. Katharina nicht, wenigstens hat man bisher keine günstigen Resultate erzielt; vielleicht, daß man noch nicht die passende Art gepflanzt hat. Besonders wurde bei allen Bersuchen als Uebelstand gefunden, daß, da die Aussaat im Mai und Juni erfolgt, die Blüthe- und Reifezeit in die Monate fällt, wo häufig Regengüsse kommen und die Ernte gefährden. Das Resultat war meist Stroh und leere Aehren.

Hafer wird angebaut, aber nur zu Grünfutter und liefen dann mehrere Schnitt.

Im Hochland gedeihen die europäischen Körnerpflanzen, namentlich Roggen: doch wird verhältnißmäßig wenig davon angebaut, da die Kamp- ländereien meist zu Weideland benutzt werden.

Knollenfrüchte.

Was den Landmann von drüben in der hiesigen Feldwirthschaft am meisten überrascht, sind die vielen Arten von Knollengewächsen, die hier die Stelle der Kartoffeln vertreten. Es sind dies Pflanzen, welche zu ganz verschiedenen Pflanzenfamilien gehören und in ihrem Wachsthum theilweise nicht die geringste Aehnlichkeit haben, auch im Geschmack sehr von einander abweichen.

Die Kartoffel.

Die in Deutschland angebaute Kartoffel wird hier europäische Kartoffel, von den Brasilianern aber englische (batata inZleras genannt.

Auf dem Hochland gedeiht sie sehr gut und wird recht mehlig, weniger aber im Küstengebiet; nur ausnahmsweise auf sandigem, leichtem Boden erreicht sie hier die Vorzüge der deutschen Kartoffel.

Sie wird zweimal im Jahr gepflanzt, im Juli oder August und im März und reift in ca. drei Monaten. Man darf aber mit der Ernte nicht so lange warten, bis das Kraut vertrocknet ist, sondern muß die Kartoffeln gleich nach oder selbst vor der Blüthe aushacken; ja, meist kommt die Kartoffel