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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
Entstehung
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H Mitteln unter Zuschuß aus der Municipalkasse, bisweilen auch des Staates - H besolden. Für den nothdürftigsten Unterricht ist daher gesorgt. In den I Städten sind meist deutsche Schulvereine, welche höhere Schulen unterhalten, ck die von der deutschen Reichsregierung unterstützt werden.

^ Die Unterrichtssprache ist in diesen Gemeindeschulen die deutsche; soweit s sie aus der Municipal- und Staatskasse eine Unterstützung beziehen, soll aller- H dings auch die Landessprache gelehrt werden. Da aber die wenigsten Lehrer 1 diese genügend beherrschen, so bleibt die Vorschrift im Landbezirk leerer Buch- ^ stabe, und die Jugend wächst ohne Kenntniß der Landessprache auf, welche sie l höchstens in der korrumpirten Form des Volksdialekts im Verkehr mit Brasi- -I lianern sprechen, aber sehr selten schreiben lernt.

Einwanderung und Kolonisation.

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Unter dem Kaiserreich wurde dieser Verwaltungszweig von der Central- regierung geleitet, und auch in den ersten Jahren der Republik sorgte die Bundesregierung für die Einführung von Einwanderern. Als dann aber die noch unbcsiedelten Staatsländereien den Einzelstaaten übertragen wurden, ergab sich von selbst als Tendenz, die zudem durch die Finanzkalamität des Bundes noch verstärkt wurde, daß der Bund sich zurückzog, und die Einführung von Einwanderern und deren Ansiedlung den Einzelstaaten überlassen blieb. Die meisten Staaten hatten aber selber mit Finanznöthen zu kämpfen und konnten daher wenig oder nichts für die Förderung der Einwanderung thun. Nur einzelne wohlhabende Staaten, wie Minas Geraes und besonders der reicbe Kaffeestaat S. Paulo warfen bedeutende Summen für die Einwanderung aus.

Außerdem ist bei den Regierungen vielfach keine Neigung vorhanden, auf Staatskosten eine Masseneinwanderung herbeizuziehen. Der gegenwärtige Finanzminister des Bundes, Dr. Murtinho, welcher nächst dem Bundespräsidenten Campos Salles die Seele der Bundesregierung ist, hat sich vor einigen Jahren in einem Relatorium ausdrücklich als Gegner jeder Masseneinwanderung erklärt, indem er betonte, daß die einheimische Bevölkerung weder numerisch, noch intellektuell befähigt sei, eine große Einwanderung zu assimiliren und daher Gefahr laufe, durch diese entnationalisirt zu werden.

So wirken denn Finanzkalamitäten, die Ueberlassung der Staatsländereien an die Einzelstaaten, und ein gewisser Nativismus zusammen, daß die Bundes­regierung und auch die Staatsregierungen für die Einwanderung durchgehends wenig thun, und besonders von der Förderung einer Masseneinwanderung in den meisten Staaten ganz abgesehen wird.

Im Staate Sta. Catharina hat die Staatsregierung aufgehört, Ein­wanderer auf Staatskosten herbeizurufen. Wenn auch der jetzige Oovsrnackor Felippe Schmidt in seiner letzten Botschaft an den Staatskongreß dies bedauert, so ist doch eine Aufnahme des Einwanderungsdienstes durch den Staat schon aus Mangel an Geldmitteln nicht zu erwarten. Die Einwanderung im Staate wird jetzt besorgt von der Hanseatischen Kolonisations-Gesellschast, welcher der Staat zur Kolonisation den gewaltigen Komplex von 650,000 Hektar Staats­ländereien überlassen hat.

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