Die Grund- und Bodenfrage in Deutfdi-Südwefl-Afrika.
Von
Wilhelm Föllmer.
Bismarck gehörte bekanntlich nicht zu den uferlosen Kolonial- schwärmem. Aber er wollte auch der deutschen Kolonialentwicklung kein Hindernis in den Weg legen. Und als der Bremer Kaufmann Liideritz sich an ihn mit der Bitte um Schutz gegen die Übergriffe der Engländer wandte, war Bismarck sofort dazu bereit. Am 24. April 1884 sandte er das berühmte Telegramm an den deutschen Konsul Lippert in Kapstadt, in welchem er diesem mitteilte, daß die Erwerbungen des Kaufmanns Lüderitz unter den Schutz des deutschen Reiches gestellt wären und daß der Konsul dies den englischen Behörden in Süd-Afrika zu erklären habe.
Mit diesem Tage fing das deutsche Reich an, Kolonialpolitik zu treiben. Bismarck wollte den unternehmungslustigen deutschen Kaufleuten, die die Erwerbungen der Kolonien vorbereitet hatten, nicht die Flügel stutzen. Er wollte sie nicht in fremde Kolonien treiben, sondern ihre Tatkraft dem deutschen Reiche erhalten. Doch diesem sollte dadurch nicht ein Pfennig Kosten entstehen. Es schwebte Bismarck eine Kolonialpolitik vor, die wohl Nutzen, aber nie Lasten für den Reichshaushaltsetat bringen sollte. So sollte denn die Wirtschaftsentwicklung unserer Kolonien nicht vom Staate, sondern nur von Privatleuten, bez. Privatgesellschaften betrieben werden. Und diese Gesellschaften sollten auch die Verwaltungs- und event. entstehende Kriegskosten tragen.
Man konnte diesen Gesellschaften nur diese Lasten zumuten, wenn man ihnen auch als Entschädigung große Rechte gab. Sie erhielten für ein Billiges oder gar umsonst große Landdistrikte, Bergrechte, das alleinige Recht zur Anlage von Eisenbahnen usw.
So lange Bismarck die Zügel der Regierung in der Hand hatte, ging ja auch die Sache den von ihm bezeichneten Weg. Aber
Kolonialpolitische Abhandlungen. 2. Heft. 1*