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Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
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Wie unendlich wichtig diese Entscheidung nicht nur für die Entwicklung der Kolonien ihrerseits, sondern für das Wirtschafts­leben des Mutterlandes ist, geht mit voller Deutlichkeit aus einer Übersicht hervor, die das Kolonialwirtschaftliche Komitee in seinem Kolonial-Handels-Adreßbuch 1905 auf S. 9 fl. gegeben hat, und aus der ich die einschlägigen Abschnitte hier um so lieber reproduziere, als sie gleichzeitig auch den Anteil erkennen lassen, den diese so hochverdiente Vereinigung an der Förderung des deutschkolonialen Plantagenbaus gehabt hat!

Tropische Nahrungs- und Genußmittel heißt es da bezieht Deutschland jährlich im Werte von etwa 500 Millionen Mark vom Auslande. Der fortgesetzt steigende Bedarf des deutschen Volkes an diesen tropischen Produkten veranlaßte die Entsendung von Sachverständigen (durch das Komitee) zu Studienzwecken nach West- und Ostindien, nach Zentral- und Südamerika, nach Lagos und der Goldküste, nach Samoa und Algerien 1 ) mit dem Ergebnis der Einführung neuer nutzbringender Kulturen und Spielarten und einer verbesserten Technik der Erntebereitung in den deutschen Kolonien. Die Anbauversuche der verschiedenartigen, zum Teil langfristigen Kulturen liefern fortgesetzt neue Ergebnisse; festgestellt ist u. a. die Erhöhung des Ertrages und die Verbesserung der Qualität des Kamerunskakaos. Die Plantagen- und Eingeborenen­kultur von Kakao mit etwa 4 Millionen Pflanzen läßt erwarten, daß der Bedarf Deutschlands, das heute mit einem Verbrauch von etwa jährlich 30 Millionen Mark an der Spitze der Konsumländer steht, in absehbarer Zeit zu einem beträchtlichen Teile aus den eigenen Kolonien gedeckt werden wird.

Auch Kola ist nach den Berichten der Westafrikanischen Pflanzungs-GesellschaftViktoria aus Saatgut bester Goldküsten- Varietät vorzüglich aufgegangen; ein erster Versuch ist mit 8000 Pflanzen gemacht. Mit Rücksicht auf die Bedeutung der Kolanuß auch für den innerafrikanischen Handel soll die Kolakultur nunmehr in großem Maßstabe aufgenommen werden.

Baumwolle bezieht Deutschland jährlich im Werte von etwa 350 Millionen, Kautschuk und Guttapercha für 70 Millionen, Gerbstoffe für 20 Millionen, Ölprodukte für etwa 200 Millionen Mark vom Auslande. Das Komitee ließ daher die Baumwollkultur

*) Durch Chemiker Bernegau, Bezirksamtmann Dr. Grüner, Prof. Dr. Preufs, Dr. Schlechter, Geh. Reg.-Rat Dr. Stuhlmann und Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Wohltmann in den Jahren 18991903.