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Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
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nur das Gebiet am Fuß des hornblendereichen Agustocks (inmitten des sonst aus Quarz und Glimmerschiefer aufgebauten Terr ai ns) als geeignet für die Großplantagenkultur von Baumwolle (und Tabak) anzuerkennen. Gelingt die Durchführung dieses ver­ständigen Gedankens, so ist hier wie in Ostafrika wo man neuerdings in gleicher Weise vorzugehen beabsichtigt ein fester Grund zu einer zukunftsreichen Entwicklung gelegt.

Für die Tabakkulter ist bisher wenig geschehen. Die Togo- Gesellschaft hat am Agu neben den Baumwollplantagen auch Versuchskulturen von Tabak, Kakao, Kola u. a. angelegt, die in­dessen ein sicheres Urteil noch nicht ermöglichen.

Als die Neu-Guinea-Kompanie Kaiser Wilhelmsland und den Bismarck-Archipel in Besitz nahm, fand sie zwar den Boden außerordentlich fruchtbar, großen Reichtum an fließendem Wasser, vortreffliche Hafenverhältnisse, eine relativ große Sicherheit gegen innere Feinde und anscheinend günstige Aussichten auf die Aus­beutung kostbarer Mineralschätze. Aber diesen günstigen Momenten standen und stehen teilweise noch entgegen: 1 )

Die Unwegsamkeit des fast durchweg mit Urwald bestandenen Landes, der Mangel an allem, was weiße Ansiedler zur Nieder­lassung brauchen, die Leben und Gesundheit bedrohenden Ein­wirkungen des Klimas, die insbesondere bei der Bearbeitung von Neuland in die Erscheinung traten, die Indolenz der noch jeder Kultur baren Eingeborenen, die Weltentlegenheit des Gebiets, sowie der Mangel an einem in den tropischen Verhältnissen geschulten Personal, das erst nach und nach herangezogen werden konnte. Wenn auch der größte Teil dieser Hindernisse sich ebenso den wirtschaftlichen Unternehmungen in den übrigen Kolonien entgegen­setzte, so ist doch nicht zu leugnen, daß das Gebiet der Kompanie in ganz besonderem Maße darunter zu leiden hatte, so daß man ihrem trotzdem erfolgreichen Wirken eine besondere Anerkennung nicht versagen kann.

Die einzige Kultur von Bedeutung, die man bereits vorfand, war die Kokospalmenkultur, die durch Anlage planmäßiger Anpflanzungen (in den Küstengegenden) eine sehr erhebliche Be­deutung gewonnen und der die Kompanie heute hauptsächlich ihr Augenmerk zugewendet hat. Die eigentlichen Plantagen umfassen wohl gegen 6000 ha mit etwa 600000 Palmen, die aber erst zu

D Vergl. von Beck: Neu-Guinea (in:Das Überseeische Deutschland. S. 545.)

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