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Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
Entstehung
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Auf Samoa war die Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee schon länger (seit 1878) mit der Kokoskultur befaßt und hatte auch Baumwolle, Kakao, Kaffee und Tee mit bestem Erfolge kultiviert, ln Kamerun warf man sich zunächst fast ausschließlich auf den Eintausch von Sammelprodukten, die man durch Ver­mittlung eines Zwischenhändlerringes von den Eingeborenen des küstennahen Binnenlandes einhandelte. Erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre setzte dort der Plantagenbau ein. Der zunächst kultivierte Tabak wurde aber bald fast vollständig von der Kakao- und der Kautschuk-Kultur verdrängt. In Togo begann man verhältnismäßig früh mit der Anlage von Kokos- und Kaffee­plantagen (z. B. J. K. Vietor, F. Oloff & Ko.), und hier haben sich auch intelligente Eingeborene gefunden, die dem Beispiel der Europäer folgten, wie der Häuptling Ayte Ajavon, der in Anecho (früher Klein-Popo) eine Kokos- und Kaffeeplantage besitzt.

Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft warf sich zunächst auf Baumwolle, die bald danach (1886) gebildete Deutsch-Ost­afrikanische Plantagen-Gesellschaft legte in Lewa Tabakspflanzungen an. Beide Versuche mißlangen. Die Baumwollernten von Kikogwe und seinem Vorwerk Muera lieferten zu kurze Stapel, und heute pflanzt die Gesellschaft dort hauptsächlich Sisal-Agaven, Liberia- Kaffee und Kokospalmen. Die Baumwollkulturversuche sind indessen von einigen anderen Gesellschaften (Friedrich Hoffmann-Pflanzung, Ivitunda, Muhesa) später wieder aufgenommen worden. Die Tabakpflanzung Lewa wurde kurz vor der ersten Ernte durch den Araberaufstand völlig verwüstet. Nach der Niederwerfung desselben wurde sie von neuem eingerichtet, gab aber qualitativ ungenügende Ergebnisse, was vielleicht dem hier ungeeigneten Boden, daneben aber sicher auch fehlerhafter Behandlung des Produkts durch untüchtige Pflanzer zuzuschreiben ist. Da hierin eine Besserung nicht erzielt werden konnte, so ging die Gesellschaft später zum Bau von Liberia-Kaffee (neben Kautschuk und Baum­wolle) über und behielt nur einige hundert Morgen unter Tabak­kultur. Obwohl aber den umfangreichen und jahrelang fortgesetzten Versuchen mit der Tabakkultur bisher Erfolge nicht beschieden gewesen sind, große Teile Deutsch-Ostafrikas also offenbar nach Boden und Klima für den Tabakbau nicht geeignet zu sein scheinen, so gibt es doch andererseits dort weite Gebiete, wo nach den Erfahrungen der Eingeborenen unzweifelhaft ein recht brauchbarer Tabak erzeugt werden kann. Fachmänner halten daher immer noch an dem schließlichen Erfolge des Tabakbaues in der Kolonie