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Die Aussichten des Plantagenbaus in den deutschen Schutzgebieten / von A. Seidel
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kultur hat ins Auge fassen müssen. Die Javanen und Inder finden meist bei der Anlage von Drainagen, zum Wegebau sowie zum Bau von Häusern und Scheunen, als Karrenführer, Wächter, Holz­fäller u, s. w. Verwendung und haben sich gut bewährt. Ihre An­werbung ist aber schwierig, weil besonders die indische und holländische Regierung nicht leicht ihre Erlaubnis dazu erteilen, die Leute selbst mißtrauisch und die Kosten der Überführung (nebst garantiertem Rücktransport nach Ablauf der Dienstzeit) sehr beträchtlich sind.

Auch die auf Samoa tätigen Gesellschaften haben fremde Arbeiter einführen müssen, da die Samoaner träge sind. Die deutsche Handels- und Plantagengesellschaft beschäftigt z. B. gegen 800 Melanesen; auch Chinesen werden neuerdings importiert, da die Melanesenanwerbung immer schwieriger wird und sehr kostspielig ist.

Wie aus dem Dargelegten ersichtlich, ist die Arbeiterfrage bei weitem der wundeste Punkt auf dem ganzen Gebiete des deutsch­kolonialen Plantagenbaues, weit bedenklicher als der immerhin leichter zu überwindende Mangel an Verkehrsmitteln. Hier müssen daher hauptsächlich die Bemühungen der Regierung einsetzen und unablässig daraut hinarbeiten, die auf diesem Gebiete liegenden Probleme einer baldigen und ausgiebigen Lösung entgegenzulühren.

Werfen wir nun schließlich noch einen Blick auf die f) Absatzverhältnisse,

so scheint die Sorge darum insofern verfrüht, als die bisher in den deutschen Kolonien geernteten Quanten tropischer Produkte gegen den Weltmarktbedarf oder auch nur gegen den Bedarf des Mutterlandes gehalten - so geringfügig sind, daß sie die Marktlage heute noch nicht im geringsten beeinflussen. Da insonderheit Kakao und Kaffee von guter Qualität und der erstere sogar verhältnismäßig billig, Kopra und noch mehr Kautschuk'ferner stets stark gefragt sind, so sind unsere kleinen Ernten bisher ohne jede Schwierigkeit schnell und zu befriedigenden Preisen abgesetzt worden. Deutschlands Bedarf an allen diesen Produkten wie auch an Tabak und Baum­wolle, Vanille u. a, ist für sich allein so bedeutend, daß die deutschen Kolonien schon hier für absehbare Zeit ein völlig ausreichendes Absatzgebiet finden werden, solange ihre Produkte nach Güte und Preis konkurrenzfähig sind. Daß sie das sind und bleiben, hängt neben anderen Umständen nicht wenig auch von den