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kann man nur aus diesem Grunde leider bisher nicht hinausgehen, da die sonstigen Transportmittel zu teuer und zu zeitraubend sind. Klima und Bodenverhältnisse würden, wie wir gesehen haben, eine sehr erhebliche Ausdehnung des Plantagenbaues in fast allen unseren Tropenkolonien wohl gestatten, aber die unerläßliche Voraussetzung dazu bildet die Anlage von Eisenbahnen in die Vorzugsgebiete und die Schaffung guter Zuwege zu den Stationen.
Indessen auch einige weitere Vorbedingungen dürfen neben dieser wichtigsten nicht außer Augen gelassen werden. Dahin gehört zunächst die Auswahl und Vorbildung des
d) europäischen Beamtenpersonals.
Uber diese Frage habe ich mich schon an anderer Stelle ausführlich ausgesprochen; 1 ) es seien daher hier nur die Hauptgesichtspunkte hervorgehoben.
Im großen und ganzen wird ja sicherlich die Entwicklung des Plantagenbaus vorderhand noch lange Zeit so vor sich gehen, daß sich Gesellschaften bilden, die ihren Sitz im Mutterlande haben und zur Leitung der Arbeiten draußen beauftragte Beamte entsenden.
Was man nun auch sagen mag, so hängt die Prosperität jeder derartigen Unternehmung unbedingt in allererster Reihe von der Tüchtigkeit dieser Außenbeamten ab. Es ist ja sonderbar, daß man das besonders hervorheben muß; aber abgesehen von den in kolonialen Dingen erfahreneren Hansastädten und den großkapitalistischen Kreisen herrscht leider in Deutschland immer noch ein stark zentralisierender, bureäukratischer, unfreier, lediglich auf den Geldsäckel pochender Geist, der lieber den Erfolg einer überseeischen Unternehmung in Frage stellt, als einem „Angestellten“ Freiheit der Aktion gewährt. Lieber wird ein fügsamer Durchschnittsbeamter gewählt als eine erstklassige und dabei selbständige Kraft. Das kommt hauptsächlich daher, daß in unseren „kolonialen Kreisen“ das Beamten- und Militär-Element noch viel zu sehr überwiegt, Leute, die an die weitgehendste Unterordnung durch ihre ganze Laufbahn so gewöhnt sind, daß sie andere Verhältnisse nicht zu begreifen vermögen. Es fehlt in diesen Kreisen heute noch zu sehr das großzügiger denkende kaufmännische Element, und das gibt leider der ganzen Kolonialbewegung in Deutschland noch immer ein recht unliebsames bureaukratisches Kolorit.
') Unsere Kolonien, was sind sie wert und wie können wir sie erschlossen? Ein Kolonialprogramm. Leipzig 1905, S. 68 ff.