Druckschrift 
Die Wirtschaftstätigkeit der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft in den Jahren 1887-91 und ihre wichtigsten Voraussetzungen / von Bruno Kurtze
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

und die finanzielle Notlage der DOAG schien das geradezu zu fordern. Sie gestattete nicht, neue Beamte für die Zollstationen anzustellen und daneben die alten auf ihren fürs erste rentenlosen Plätzen im Innern zu belassen. So drängte alles, die Verkehrs­verhältnisse, der Küstenvertrag, die Finanzlage, zur Konzentration nach der Küste. Nichts aber zwang, so wird man einwenden, die Bodenkultur durch den Handel zu ersetzen.

Und doch Heß sich keine wirtschaftliche Tätigkeit besser im Zusammenhang mit den Zollstellen an der Küste betreiben als der Handel. Dazu steigerten die bisherigen schlechten Er­fahrungen mit dem Plantagenbau die allgemeine Aversion der intimeren Gesellschaftskreise gegen ihn. Freilich ging man nicht so weit, die Pflege der Bodenkultur überhaupt abzulehnen, ver­warf aber die bisher geübte Praxis, in zahlreichen kleinen Wirt­schaftsstationen Anbauversuche zu machen, und beabsichtigte, sie auf einem durch Fruchtbarkeit des Bodens und günstige klimatische Verhältnisse besonders geeigneten Platze zu konzentrieren, daneben Eingeborenenkulturen ins Leben zu rufen und durch sogenannte Stipendienverträge anzuregen. Daß diese landwirtschaftliche Tätig­keit, die sich auf Versuche und Anregungen beschränkte, keinen direkten Gewinn abwerfen konnte, war gewiß. Eine Rente er­wartete man allein vom Handel.

Diesem neuen Wirtschaftsprogramm gemäß wurde einerseits die gelegentliche Auflassung der Binnenstationen, wenn möglich ihr Verkauf, und andererseits die Einrichtung von Handels­faktoreien im Anschluß an die Zollstationen ins Auge gefaßt.

2. Auflassung der Binnenstationen.

Von den fünfzehn bei der Ankunft Vohsens vorhandenen Stationen (mit Einschluß Zanzibars) sollten zehn endgültig auf­gelassen bzw. verkauft werden, eine Zahl, in welcher der radikale Bruch mit der bisherigen Stationenpolitik schon deutlich zum Aus­druck kommt, und vier zu Zollstationen ausgebaut werden. Von den ersteren zehn war Sima bereits seit langen Monaten verlassen, während Mafi nur noch von einem Araber bewacht wurde.

Zwei der drei Kinganistationen gedachte man ebenfalls ab­zustoßen; auf der dritten aber sollte die geplante landwirtschaft­liche Versuchsstation errichtet werden. Anfänglich kam dafür Madimula in Betracht, doch gab man den Plan auf, als Semler, einer der besten deutschen Kenner des tropischen Ackerbaues und Leiter der Abteilung für Bodenkultur seit Frühjahr 1888,