Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Kamerun.

wird jetzt als Festung ausgebaut, mit vollem Recht, deun die Jaunde sind durchaus un­zuverlässige Gesellen, und da die meisten bei der Schutztruppe gedient haben und diese noch jetzt zum großen Teil aus Jaundes besteht, wäre ein Aufstand äußerst gefährlich. Ebo- lowa, Lomie, Dume und Molundu sind sämtlich Militärstationen. Mitten im unruhigsten Gebiet ist aber Malögle als Sitz der Kompanie errichtet worden. Der östlichste Teil der Sanagamulde und die Djerembucht unterstehen der Station Ioko. Sehr nötig wäre die Errichtung eines Postens im Bafialande.

11. Acts Kochtcrnö Von Süöcröcrmcrucr.

Zwei verschiedene Welten liegen vor den Augen des Forschers, wenn er, auf den Höhen hinter Bamesson haltmachend, den Blick nach Norden und Süden wendet. Rück­wärts gegen Süden stürzen die Hänge steil ab in Täler und Schluchten, und Berg reiht sich au Berg, mit Ölpalmen überdeckt, aus Tiefen von 500 und 1000 m rauschen die Wasser herauf, bis hinaus in die fernsten Weiten schweift der Blick über das ganze durchfchrittene Urwaldgebiet da unten; vorwärts nach Norden, Osten und Westen Hügelwelle über Hügel­welle, dazwischen weite Täler, und wie grüne Wogen schwanken in ungemessenen Flächen die hohen Schilfgräser darüber hin. Fern am Horizont grenzen in blauer Luft verschwim­mende Bergketten das weite Landschaftsbild ab. Dieses windgepeitschte Grasmeer mit seinen ca. 3 m hohen Halmen, mit seinen nebelumwallten Höhen, mit seinen Hirsefarmen gibt die frohe Gewißheit, die Südgrenzgebiete Westadamauas erreicht, betreten zu haben."

Mit solchen Worten schildert Hutter den Eindruck, den er empfand, als er am 25. August 1891 zum erstenmal das Grasland erreichte. Ganz anders liegen hier am Bali- weg die Verhältnisse als im Süden: im Südkameruner Waldgebirge ein allmähliches smfenförmiges Ansteigen, dann ein Abstieg zu einer waldigen Hochebene, am Baliplateau dagegen ein einheitlicher, einmaliger, steiler Anstieg zu dem Rande eines welligen bis bergigen, grasigen Hochlandes.

In mancher Beziehung gleicht der physiognomische Charakter des nunmehr zu be­sprechenden Gebietes insofern der Sanagamulde und -schwelle, als das Grasland zum großen Teile überwiegt. Allein, einmal macht sich die bedeutendere Höhenlage sehr bemerkbar, anderseits sind die Oberflächenverhältnisse viel komplizierter. Hohe Gebirgsmassen und eingesenkte Niederungen wechseln häufig ab. Die vulkanische Tätigkeit ist streckenweise ebenso lebhaft gewesen wie in dem Küstenvorlande und hat durch Aufschüttung hoher Vulkanberge, durch Eiusenkung von Kratern und Explosionskesseln mancherlei Abwechse­lung in das einförmige Relief der Plateaulandschaft gebracht. Dazu kommt, daß einzelne Teile des Hochlandes mehr oder weniger von dem Rumpf abgelöst sind und bezüglich der Vegetation obendrein einen Übergang zwischen Grasland und Waldland vermitteln.

Im wesentlichen lassen sich von Süden nach Norden in dem Aufbau des Kameruner Hochlandes drei Stufen erkennen. 1) Die erste Stufe wird durch die im vorigen Kapitel besprochene Südkameruner Rumpffläche gebildet, die sich mit auffallender Ein­förmigkeit in 600700 iri Höhe hinzieht. Sie endet im Norden 2) an einer 10001500 m Meereshöhe erreichenden Stufe, die durch Verwitterung und tektonische Vorgänge stark gegliedert ist. Diese steigt, wie schon der Lauf der Flüsse zeigt, nach Norden hin an, und