6. Geschichtliche Überlieferungen.
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nach Süden zwischen den hohen Gebirgsstöcken des mittleren Admnaua drei große Verkehrswege aus, die dem Hochlande von Südadamaua zustreben.
Aber nicht nur die Gebirge, sondern in ebenso hohem Maße das Sumpfland am Logonflusse zwischen dem Tuburisumpfe und der Stadt Karnak Logone sowie das Netz von Flüssen innerhalb des Scharibeckens bilden ein schweres Verkehrshindernis, das die Straßen vermeiden müssen. So werden durch dieses Sumpfgebiet, durch das Mandaragebirge und durch den Tschadsee ganz bestimmte große Straßenzüge vorgeschrieben. Von der allergrößten Wichtigkeit ist der Durchgang zwischen dem Logonsnmpflande und dem Mandaragebirge einerseits und dem Tschadsee anderseits. Durch dieses Lögontor geht die Hauptvölkerstraße, die den zentralen Sudan mit dem Ostsudän verbindet.
6. KeschichMche Überlieferungen.
Geschichtliche Überlieferungen sind für Kamerun sehr spärlich und bestehen uur zum kleinsten Teil aus schriftlichen Aufzeichnungen. In der Mehrzahl der Fälle ist man genötigt, sich auf die mündlichen Überlieferungen zu stützen, die ja bekanntlich recht trügerisch sein können und überdies häusig in ein sagenhaftes Gewand gehüllt sind. Direkte Beobachtungen und Aufzeichnungen durch europäische Reisende beginnen erst mit dem Jahre 1822 120^. Es wird zweckmäßig sein, sich zunächst einmal ein Bild von dem Charakter der Geschichte Afrikas zu machen. Dann ist es leichter, auch die Geschichte unserer Gebiete zu verstehen und zu enträtseln.
Der hauptsächlichste Grundzug iu der Geschichte Afrikas ist der, daß fremde Völker aus dem Mittelmeergebiet oder aus Asien nach Afrika eindringen, die einheimischen Völker teils verdrängen und unterwerfen, teils weiterziehend in das Innere vorrücken. Durch die Natur des Landes sind dabei ganz bestimmte Wander st raßen vorgeschrieben 163^. Von den drei hauptsächlich in Frage kommenden Einfallpforten wäre zuerst zu nennen das südwestliche Arabien, von wo die Völker nach dem Osthorn übersetzen, um dann nach Ost- und Südafrika weiter zu ziehen. Die zweite Einfallpforte ist die Landenge von Suez. Die hier einbrechenden Völker sind entweder an der Nordküste Afrikas entlang nach dem Atlasgebiet gewandert, oder aber sie folgten dem Zuge des Nils aufwärts nach dem Ostsudän. Von dort aus ging die Straße weiter entweder nach Ostafrika oder aber nach Westen in der Richtung auf den zentralen Sudan vor. Das dritte Eiufalltor sind die Atlasländer für Völker, die aus Spanien oder Italien kommen. Die Hauptstraße geht durch die westliche Sahara nach dem Senegal hin und dann zwischen der Wüste und dem Waldgebiet im Küstengebiet von Oberguinea nach dem zentralen Sudan hin. Die große Wichtigkeit des vorher erwähnten Logontores zwischen dem Tschadsee einerseits und dem Mandaragebirge und den Logonsümpfen anderseits leuchtet nunmehr klar ein, denn hier müssen alle großen Völkerzüge durchkommen, wenn sie nicht den Tschadsee durch das schon recht wüstenhafte Gebiet von Kanem umgehen wollen. Fast noch schwieriger sind die Umgehung des Logon-Scharisumpflandes von Süden und der Durchbruch durch das dichtbevölkerte Scharibecken zum Benuetal nach Westen.
Die aus dem Mittelmeergebiet in die Wüste gedrängten Völker, die in den noch relativ bewohnbaren Hochländern im Innern der Sahara einen Zufluchtsort gefundeu haben,
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