Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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5. Die kulturgeographischen Grundlage«.

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Auf dem Graslandedes Hochplateaus herrscht die Graslandfauna durchaus vor. An Raubtieren wären zu erwähnen der Löwe und die gefleckte Hyäne, während Nashorn und die Giraffe noch nicht vorkommen. Die Waldinseln und die Galeriewälder beherbergen aber noch manche andere Form des Urwaldes. So ist es wohl auch zu er­klären, daß, wie Engelhardt angibt, das bereits dem Grasland angehörige Esumland reich an Gorillas und Schimpansen sein soll ^5, 1903, i; 73^.

Mit dem Erreichen der Region des Steppenbusch Waldes scheint die Waldfauna nahezu ganz zu verschwinden, wie ja auch Waldinseln und Galeriewälder neue Arten erhalten und damit eiuen anderen Habitus annehmen. In den bewohnten Gebieten ist der Tier­reichtum begreiflicherweise kein großer, jedoch in den unbewohnten Wildnissen, namentlich am oberen Faro und im Scharibeckeu, sehr bedeutend. Von Antilopen werden erwähnt Gazelle, Hartebeest, Palla-, Säbel-, Pferde- und Schirrantilope, Riedbock und Wasser­bock sowie der Schwarzbüffel. Von Raubtieren siud mehr oder weuiger verbreitet ft2: 25^: Löwe, Leopard, Zibetkatze, Serval, Geuette, Hyäne, Schakal und die in Trupps jagenden Hyänenhunde. Der Elefant kommt im ganzen Gebiet vor, soll aber einer anderen Varietät angehören als der Südkameruns, da er niedriger ist, breiten Kopf und dicke, kurze Zähne hat. Von Affen finden sich Meerkatzen und Paviane, von Edentaten das Erdferkel. Ganz neu treten hinzu Nashorn und Giraffe, südlich des Tschadsees und im nördlichen Mandaragebirge auch der Strauß.

5. Are KuttnrgeogrcrpHischen Grundlagen.

Für die allgemeine Beurteilung der gesetzmäßigen Verbreitung der Bevölkerung eines Landes, ihrer Kultur und Geschichte bildet die Kenntnis dessen, was das Land den Völ­kern bietet, die hauptsächlichste Grundlage. Demnach wird es erforderlich sein, folgende Punkte näher zu betrachten: die wirtschaftlichen Grundlagen, die gesundheitlichen Verhält­nisse, die Siedelungs- und Verkehrsbedingungen.

Wirtschaftliche Grundlagen (s. die Karte S. 491). Die Kolonie Kamerun ist im ganzen Umfang bewohnbar, allein die verschiedenen Regionen bieten verschiedene wirtschaftliche Möglichkeiten. Man kann sie in vier Landschaften einteilen: das Waldgebiet, die Savannen- und Steppenregion, die Sumpfgebiete uud die Gebirgsstöcke.

Das Waldgebiet ist in erster Linie für den Ackerbau geeignet. Bei dem Reichtum an Niederschlägen und der oft erstaunlichen Fruchtbarkeit des Bodens gedeihen nicht nur alle tropischen landwirtschaftliche,: Produkte, sondern selbst hochwertige Plantagenprodukte können auf weite Strecken hin gebaut werden, namentlich auf jungvulkanischem Boden. Dagegen tritt die Viehzucht ganz in den Hintergrund, uud zwar nicht bloß die Rinderzucht, die meist sogar wegen der Tsetsefliege und gewisser Viehkrankheiten fehlt oder uur lokal möglich ist, sondern auch die Kleinviehzucht. Auch die Jagd spielt keine große Rolle, mehr schon der Fischfang in den zahlreichen, das ganze Jahr hindurch Wasser führenden Flüssen.

In der Savanne u- uud Steppe uregiou wird der Ackerbau, nament­lich aber der Plautagenbau, durch die Trockenzeit eingeschränkt, da hier die anspruchs­vollsten Gewächse, die reichere gleichmäßige Niederschläge verlangen, nicht mehr gedeihen können. Immerhin erzeugt die Savannenregion die meisten der gewöhnlichen tropischen