2. Oberflächeugestaltung und geologischer Aufbau.
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bestimmt worden waren ^8,1905^. So fehlt denn jetzt nur noch eine nähere Bestimmung der Grenze zwischen dem Kreuzfluß und Yola sowie gegen das spanische Gebiet am Kampo. Auch dort sind bereits Grenzexpeditionen tätig ^8, 1908; 343^. Wir dürfen also in den nächsten Jahren auch hier eine definitive Grenzregelung erwarten.
Die wissenschaftliche Erf 0 rschuug der Kolonie, z. B. der Geologie, der Tier- und Pflanzenwelt, vor allem aber der sich rasch verändernden Bevölkerung, ist bisher in systematischer Weise nicht in Angriff genommen worden, vielmehr blieb es der Initiative der einzelnen Beamten und Offiziere überlassen, nach dieser oder jener Richtung hin Beobachtungen und Sammlungen anzustellen. Besonders auf kartographischem Gebiet ist nebeu deu offiziellen Grenzexpeditionen viel von Offizieren und anderen Beamten geleistet worden, so besonders durch v. Stein, Glauuing, v. Bülow, Mansfeld und andere, die sich in selbstlosester Weise in den Dienst der Wissenschaft gestellt haben. Allein das genügt auf die Dauer nicht. Es ist durchaus notwendig, daß die geographische Erforschung in systematischer Weise in Angriff genommen wird. Damit hat man in letzter Zeit auch wirklich begonnen. Hutter so, 1907^, R 0 hrbach und M 0 isel ^9, 1908^ haben rein wissenschaftliche Expeditionen in das Gebiet zwischen Duala und dem Kumbohochlande unternommen. Der Geolog Guillemain ^12, 1908^ hat iu denselben Regionen ausgedehnte geologische Forschungen angestellt, deren Resultate indes noch nicht veröffentlicht sind. Die von der amtlichen „Kommission für die landeskundliche Erforschung der Schutzgebiete" entsandten Professoren Hassert und Thorbecke ^12, 1908^ sind kürzlich von ihrer Reise, die sie in das Kamerungebirge, Manenguba- und Kumbo-, Bamum- und Bali- hochland führte, zurückgekehrt. Es bleibt indessen noch unendlich viel zu tun. Namentlich sollte man nicht zögern, so energisch wie möglich die ethnographischen Verhältnisse festzustellen, da sich diese infolge der deutschen Herrschaft und der eindringenden europäischen Zivilisation rapid verändern und sich in wenigen Jahren vollständig umgestaltet habeu werden.
2. Hberflächengestcxttung unö geologischer Aufbcru.
Die erste Grundlage jeder Landeskuude bildet die Darstellung der festen Erdrinde, der Gebirge, Plateaus und Tiefländer, der Abdachungen mit ihren Flüssen sowie des geologischen Baues, von dem die Oberflächengestaltung wesentlich abhängt. Demnach betrachten wir:
1) die orographischen Verhältnisse,
2) die Abdachungen und Flüsse,
3) den geologischen Bau,
4) die Erklärung der Oberflächenformen.
1) Die orographischen Verhältnisse (s. die umstehende Beilage). Ein reicher Wechsel von Gebirgen und Hochflächen, die mit steilen Böschungen abfallen, von weiten Ebenen und Tiefländern mit hohen Gebirgsketten, ist für Kamerun charakteristisch. Man kann vier orographische Gebiete unterscheiden:
a) das Küstenvorland,
b) das Plateau von Kamerun,
e) die Massivregiou von Adamaua, ä) das Tschadsee- (Tsade-) Becken.