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Ostafrika.
daran, daß die Mehrzahl der ostafrikanischen Neger trotz aller nun schon so lange von Beamten und Pflanzern betriebenen Belehrung, Aufmunterung, PrämieNerteilnng, Saatvertei- lung usw. aus Bequemlichkeit nicht mehr anbaut, als die Befriedigung ihrer sehr geringen Bedürfnisse verlangt. Die „Erziehung zu höheren Bedürfnissen" geht auch da unendlich langsam vonstatten, wo, wie im Küstenland, die höhere Kultur mit ihren Lockmitteln schon seit langen Zeiten in Wirksamkeit ist; das sieht man vor allem am Inhalt unseres Import- Handels. Außer den Baumwollenstoffen, meist sehr geringer Qualität, kommen für den Negerkonsum nur noch ganz wenige Artikel, wie Petroleum, Salz, Drogen, Zucker, Streichhölzer, Zigaretten, Perlen, Draht, in Betracht. Über die mit wenigen Rupien erreichbare Befriedigung seines Wohlstandsminimums geht der ostafrikanische Durchschnittsneger nicht hinaus, da er den dem Europäer so selbstverständlich erscheinenden Drang zur Kapitalbildung nicht hat und gegen höheren Kulturkomfort äußerst gleichgültig ist 3^.
Dies wird durch die Handelsbilanzen der letzten beiden Jahre wieder bestätigt.
0. Volkskulturen. Europäische Pflanzungen. Arbeiter.
Der eine Zeitlang sehr lebhaft geführte Streit über die Frage, ob unsere Kolonialwirt- schaft in Deutsch-Ostafrika vorwiegend auf Kulturen derEingebornen oder auf die europäischen Pflanzungsunternehmungen zu gründen sei, ist ganz müßig. Die Natur des Landes und seiner Menschen führt ganz von selbst dazu, daß der bequeme, bedürfnislose Neger die leicht zu erzeugenden geringwertigen Massenprodukte des Hackbaues produziert, au dem er nicht, wie man zuweilen hört, mit zähem konservativen Willen, sondern in jahrtausendelanger Anpassung an die Landesnatur und mit dem Beharrungsvermögen seiner ostafrikanischen Negerträgheit festhält, und daß anderseits der arbeitslustige, kapital- bildendeWeiße mit ausgesuchtenWirtschaftsmethoden möglichst hochwertigeQualitätsprodukte hervorzubringen bemüht ist, ohne deshalb auf den Anbau von Massenprodukten zu verzichten, wenn sich lohnende Gelegenheit dazu bietet. Im großen ganzen werden beide Produktionsformen, sich gegenseitig ergänzend, immer nebeneinander hergehen; schon das Klima wird unsere Kolonialwirtschaft immer wieder in diese beiden großen Wirtschaftsgruppen teilen.
Der Kaufmann hat begreiflicherweise zunächst Interesse an der Erhaltung und Fortentwickelung der Eingebornenkulturen, auf die seit vielen Jahren seine Geschäftsweise eingerichtet ist, und an denen er im Export gut verdient wie auch im Import von industriellen Gegenwerten. Für die Produktion des europäischen Pflanzers interessiert er sich viel weniger, weil dieser bemüht ist, seine Erzeugnisse ohne Vermittelung der im Schutzgebiet ansässigen Kaufleute auf den Markt der Heimat zu bringen. Seinerseits aber wird der Pflanzer sehr oft scheel auf die Bemühungen sehen, welche die Eingebornen zum Anbau neuer, wertvoller Kulturpflanzen veranlassen will, denn für ihn erwächst daraus eventuell Konkurrenz und ein immer noch größerer Mangel an den ihm so nötigen Arbeitskräften. Die Regierung wird darum bemüht sein müssen, jedem das Seine zuteil werden zu lassen, ohne das eine durch das andere zu schädigen oder zu hemmen.
Die Produktion der Eingebornen zu vernachlässigen, um alle Förderung nur den europäischen Pflanzungen und Siedelungen zuzuwenden, wäre dem Interesse der Kolonie und der Heimat ebenso zuwider wie das gewaltsame Zurückdrängen der Pflanzer und Siedler, um in Ostafrika nnr die Volkskulturen zu entwickeln und das Negertum zu wirtschaftlicher Selbständigkeit zu erheben, mit der es dann bloß der europäische Kaufmann und Kapitalist zu tun hätte.