Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

All diesen Schwierigkeiten gegenüber würde eine deutsche Südbahn Kilwa- Wiedhafen durch den Süden unserer Kolonie sofort die ganze Lage zu unserem Vorteil ändern. Diese Linie ist die kürzeste vom Meer zum Njassa; sie mißt nur etwa 670 Km. Sie geht vom besten und bestgelegenen Hafen unserer südlichen Meeresküste nach dem besten Hafen unseres Njassaufers; sie hat keinerlei Terrainschwierigkeiten, bis auf den letzten, kurzen Abstieg zum Seeufer durch das Mhuhutal^. zu überwinden (S. 142). Sie er­schließt das bisher noch sehr vernachlässigte große Süddrittel der Kolonie, das im Ungonigebiet eines der reichsten Getreideländer Deutsch-Ostafrikas und im östlichen Randgebirge des Njassa viel Siedelland für Europäer enthält; sie würde in kürzester Frist die viel längere Schire-Sambesiroute außer Betrieb setzen, auf welcher überdies die Güter wegen der immer seichter werdenden Gewässer oft monatelang liegen bleiben und neunmal zwischen Chinde und Mwaja umgeladen werden müssen; sie würde auch eine portugiesische Linie von Porto Amelia nach dem Njassa nicht aufkommen lassen, weil diese länger und schwieriger wäre; sie würde den größten Teil des Verkehrs mit Britisch-Zentralafrika und dem südöstlichen Kongostaat an sich ziehen, und sie wäre stra­tegisch von dauernder Wichtigkeit für die Beherrschung des Njassagebietes und seiner Nachbarländer. Erst durch die deutsche Südbahn ist dem deutschen Njassaland die wirtschaft­liche und politische Entwickelung sicher, zu der es von der Natur so reich veanlagt ist.

III. Die Kolonialwirtschaft.

^. Die Produktion.

Wir haben in den vorausgehenden Kapiteln die Erzeugnisse der freien Natur, die Produkte des Ackerbaues, der Viehzucht, der Plantagenwirtschaft, des Bergbaues kennen gelernt, die in den verschiedenen Landschaften gewonnen oder erarbeitet werden und in den Handel kommen. Hier sind es Produkte aus der warmen Küstenzone, dort solche aus kühlen Gebirgsregionen, da Erzeugnisse aus feuchten Fluß- oder Waldgebieten, dort solche aus trockenen Steppen und Savannen. Haben wir sie früher im einzelnen nach ihrer geo­graphischen Verteilung kennen gelernt, so gruppieren wir sie nun in der abschließenden Übersicht nach den verschiedenen Formen der wirtschaftlichen Produktion. Dabei stützen wir uns vor allem auf die amtlichen Denkschriften und auf F. Stuhlmanns außerordent­lich inhaltreiches WerkBeiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika" ^111^.

1. Produkte der Pflanzenwelt, a.) Produkte der Sammeltätigkeit.

Die Zahl dieser Erzeugnisse der freien Natur ist sehr klein. Für den Handel sind nur Kautschuk und Kopal von Bedeutung, während andere, wie Farbhölzer, Orseilleflechte, roter Pfeffer ufw., in: Handel nur eine geringe Rolle spielen.

Die Gewinnung von Kautschuk hat sich 1907 im Gewicht und Wert vermindert: 2,039,000 M. in 1907 gegen 2,386,000 Mk. in 1906. Abgesehen von Tanga, das 52,000 KZ Pflanzungenkautschuk zu Markte gebracht hat, stammt der in den Handel gebrachte ost­afrikanische Kautschuk fast ganz aus der Sammeltätigkeit der Eingebornen. Der meiste und beste, aus den wilden I^näolxm'a-Lianen gezapfte Kautschuk kommt aus Donde-Liwale und Mahenge, der von Lliwnära Icllinianäsariea vom Kilimandjaro, der der Nasearsnliasig.