Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

Moschusenten, Tauben und das Haushuhn, der uralte Begleiter des Hackbaues, gehalten. Nur dasHuhn (Kis.: Kuku) ist wirtschaftlich von einigem Wert, während Enten und Tauben im ganzen Lande selten sind. In der Hauptsache wird aber das Huhn nicht seines Fleisches und der Eier wegen gehalten, sondern als Mittel zum Wahrsagen und Zaubern ^111; 764^; die meisten Stämme essen weder das Fleisch noch die Eier des Huhnes. Nur die nomadischen Massai und Wandorobbo und die vormals nomadischen Wahuma haben keine Hühner, da diese Scharrvögel an sessile Wirtschaftsbetriebe gebunden sind.

Der Fang und die Aufzucht des ostafrikanischen Straußes (Lbrurliio inol^Käoxnaiies) war vordem durch dieKilimandjaro-Straußenzuchtgesellschaft" unternommen worden, aber die Zucht ist ihr nicht geglückt; die Klicken gehen fast alle ein. Seitdem hat dieser Zweig der Tierzucht, mit dem in Südafrika viel Geld verdient wird, brach gelegen. Es ist zu hoffen, daß er in Verbindung mit Viehzucht in einem der trockeneren Steppengebiete wieder auf­genommen wird.

3. Produkte des Bergbaues.

In den Schilderungen der Einzellandschaften ist mehrmals der primitiven Eisen- industrie der Eingebornen Erwähnung getan worden. Bei der Mehrzahl dieser Stämme wird das Eisen aus dem Schwemmsand der Bäche, in den es aus den verwitterten Gneisen, Graniten, Eisenquarzitschiefern gelangt, ausgewaschen, dann in niedrigen Lehmöfen verhüttet und mit steinernen oder eisernen Werkzeugen zu Waffen und Geräten aus­geschmiedet. Vom Südeu des Victoriasees durch Unjamwesi, Ukimbu bis zum Livingstone- gebirge des Njassa M, 1903; 117^ zieht sich eine Zone des einheimischen Eisengewerbes, das noch heutigentags den Hauptbedarf des großen Innern an Eisengeräten deckt; und an anderen Stellen, wie im Jkomadistrikt und im Ulugurugebirge, gibt es engere und kleinere Betriebe. Für europäische Unternehmungen wird aber der Abbau der Eisenvorkommnisse nicht rentabel sein, da Eisen auf dem Weltmarkt zu billig ist und die Produktion wie der Transport, auch wenn eine Eisenbahn in der Nähe ist, zu teuer werden.

Der europäischen Schürfarbeit war es vorbehalten, eine ganze Reihe von Lagerstätten wertvoller Mineralien, Kohlen und Metalle ausfindig zu machen. Von allen diesen Funden haben sich aber bisher nur folgende als abbauwürdig erwiesen: 1) die Steinkohlen im Nordwesten des Njassa (S. 364); der Abbau der reichen Lager muß indessen auf die Schaffung besserer Verkehrsverhältnisse warten. 2) Steinsalz am Mlagarassi, wo die Saline Gottorp (S. 328) aus Solquellen 1907 über 32,000 Zentner Salz gewann. 1909 mußte der Betrieb vorübergehend wegen der Schlafkrankheit eingestellt werden. 3) Granatenin Luisenfelde bei Massassi (S. 131). 1909 wurde der Betrieb wegen Überproduktion unterbrochen. 4) Glimmer in den Ulugurubergen (S. 163), wo 38 Felder in Betrieb stehen und Anfang 1908: 93,372 IcZ Rohware gefördert waren sDkschr. O. A. 1907/08; 54^. 5) Die G 0 l d l a g e r st ä t t e n bei Sekenke in Jramba und bei Ngasamo am südöstlichen Victoriasee (S. 248, 262, 283). Die Betriebe in Ussongo, Samuje, Msalala, Ussindja, Jkoma sind aufgegeben worden sM'schr. O. A. 1007/03; 54^. Am aus­sichtsvollsten erscheinen die Lagerstätten derKironda-Goldminen-Gesellschaft" bei Sekenke am Kirondabach, wo das Gold in den Quarzlinsen der Kontaktzonen dioritischer Gesteine enthalten ist. Die Menge des bisher in Sicht befindlichen Erzes beträgt bei einer Schacht­tiefe von ca. 30 m ungefähr 30,000 Tonnen; der Goldgehalt der Tonne ist durchschnitt­lich 50 Z, amDernburggcmg" sogar 60 Z ^50; 220, 232^. Als Kontaktgänge werden die