Part 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Place and Date of Creation
Page
385
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Die Kolonialwirtschaft. Produkte der Tierwelt.

385

Forstv er w altung des Gouvernements gegeben worden, die von dieser Behörde in die breite Praxis umgesetzt worden sind. Die Forstverwaltung arbeitet einesteils für die Walderhaltung, andernteils für die Waldverwertung. Zum Zweck der Walderhaltung ist im Laufe der Jahre eine große Anzahl von Waldbeständen zu Reservaten des Fiskus erklärt worden, bis 1908 rund 225,000 In in 17 Amtsbezirken Mschr. O. A. 1907/03; 53^, und durch Verordnungen ist verboten worden, daß auch in Privatwaldungen mehr als drei Viertel der Bestände abgeholzt werden. Der Erfolg dieses Verbotes und des auf das gleiche Ziel gerichteten Versuches, dürftige Buschbestände durch Sperrung gegen Rodung und BranV zu Hochwald sich entwickeln zu lassen, muß noch abgewartet werden (S. 211). Ferner werden unter forstmännischer Kontrolle die 5ruiixsrus-Wälder in West-Usambara (Schume), die Mangrovenbestände bei Tanga, Kilwa, im Rufidjidelta und die Regenwälder Ost-Usam- baras durch verschiedene Gesellschaften ausgebeutet. Allein aus dem Rufidjidelta wurde 1907 für ca. 55,000 M. Holz verkauft Mschr. O.A. 1907/08; 53^. Anderseits haben die von der Forstverwaltung ausgeführten Aufforstungen fchon einen großen Umfang ali­genommen. Sie beschränken sich nicht auf vorhandene einheimische, als nutzbar erkannte Holzarten, wie Kokos, Mangroven, Bambus, Kasuarine, Sambia, vnloroxnorg. sxoelsa, ^uiiixerus xroosra, ?oäoeg.rxu8 usw., sondern sie leisten auch viel im Anbau fremder Hölzer, die Handelswert haben. So hat man hauptsächlich von dem für den Schiffbau unentbehr­lichen Teakholz in den warmen Lagen der Bezirke Tanga, Daressalam, Rufidji große Be­stände angelegt, die gut gedeihen; so von dem indischen Eisenholz vassia lloriäa zahlreiche Kulturen im Forstbezirk Tanga, Bagamojo, Morogoro, Daressalam; so Gerberakazien, Eukalyptus, Mahagoni, Kampfer, Hevea, Arenillia, (Zlrsnaäilla usw. in den Forstbezirken Tanga, Wilhelmstal, Moschi, in den Pugubergen, dem Ulugurugebirge und anderwärts Mschr. O. A. 1907/08; 146-158^. Die Privatunternehmer folgen auch hierin dem Bei­spiel der Forstverwaltung in wachsendem Maß ^127; 390-400^.

2. Produkte der Tierwelt.

a) Wildlebende Tiere.

Das Einfangen lebenden Wildes durch Eingeborne oder Europäer zum Zweck des Verkaufes nach Europa hat kolonialwirtfchaftlich wenig Bedeutung, weil die meisten gefangenen Tiere eingehen und die Nachfrage außerordentlich schwankt. Immerhin wurde 1904 für 44,777 Mk. lebendes Wild ausgeführt. Die ausgeführten Tiere sind zumeist junge Nashörner, Zebras, große Antilopen und Gnus.

Viel bedeutender ist der Handel mit den Produkten der Jag d. Voran steht natürlich das Elfenbein. Es sind aber nicht mehr die Eingebornen, die die meisten Elefanten erlegen, fondern europäische Sportsjäger, denen die Bezahlung von 750 Rupien für den sogenannten großen Jagdschein keine Beschwerden macht. Infolge des stärkeren Abschusses ist der Elfenbeinexport von 420,816 Mk. in 1906 auf 644,287 Mk. in 1907 gestiegen, woran Bagamojo allein mit 281,722 Mk. beteiligt war Mschr. O. A. 1907/08; 46^. In küstennahen Gegenden ist der Elefant äußerst selten geworden; im Innern gibt es die Dickhäuter in mehr oder minder großer Zahl nur noch am Kilimandjaro, im Massailand, im Schiratibezirk, dem nördlichen Ussukuma, West-Ruanda und Urundi, in Mahenge, Uhehe, Usscmgu und in den großen Südsteppen bis nach Ungoni hin. Am meisten exportierte Deutsch-Ostafrika 1891 mit 208,000 KZ (S. 392). Der höchste Preis wurde in Hamburg 1883 mit 27 M. pro Kilogramm

Das Deutsche Kolonialreich. I. 25