Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Ostafrika.

Der Abfluß des Kiwu, der als Russissi den See in seiner Südwestecke verläßt, hat auf seiner in Luftlinie rund 110 ^ langen Laufstrecke bis zum TanganM die bedeutende Niveaudifferenz von 675 m zu überwinden, da der Kiwu 1455, der TanganM 780 m hoch liegen. Daher durchbricht der Fluß das Bergland südlich des Sees und den Querriegel von Bukunsi in einer ununterbrochenen Folge von Stromschnellen. 200500 ro. hoch fallen auf der ersten Talstrecke zwischen Tschangugu und Meru die Felswände zu dem Strom ab, der brausend dahinschießt und stellenweise seenartige Erweiterungen bildet, die terrassenförmig übereinander liegen W1; 32. 369; 131^. Heiße Quellen verraten in diesem Gebiet die Jugend der tektonischen und vulkanischen Störungen. Dann wird die Talsohle immer ebener, die Stromschnellen immer seltener, und der Fluß tritt aus dem jung­eruptiven Hügelland in die Alluvialebene ein und beginnt in zahllosen großen Schlangen­windungen, immer mehr anwachsend durch Zuflüsse von Osten und Westen, die mehrere Kilometer breite, ganz von hohem Schilf erfüllte Grabenebene zu durchziehen ^293; 364^. Die Talwände und Seitenmulden find von den Dörfern, Maisfeldern und Bananenhainen derGraben-Warundi" bedeckt, die freilich in ihrer Ruhe oft von den nach ihren Rindern lüsternen Ruanda-Nachbarn aufgescheucht werden.

Weiterhin wird die Grabensenke hügelig und wellig, und der Strom beginnt, bis zu einer Breite von 120 m anwachsend, in endlosen Windungen seinen eigentlichen Unterlauf durch die flache, heiße, fieberige Strauch- und Grassteppe. In diese an den TanganM angrenzende Ebene, deren Boden sich durch seine Fossilien als einstiger Seeboden des TanganM erweist ^354; 154-156^, hat sich der Russissi 26 m ties eingeschnitten, aber die Tiefe wird schließlich ganz gering, da der Strom, in sünf große und viele kleine Arme ver­zweigt, ein großes Delta in den Nordzipfel des TanganM vorschiebt, zwischen dessen Wald- und Schilfdickichten er träge seine Fluten endlich in den See wälzt ^347; 168^.

Diese untere Russissiniederung ist zwar sehr ungesund, wird aber voraussichtlich auf ihren sandigen Böden sich als ein geeignetes Anbauterrain für Ölpalmen und Baumwolle erweisen. Namentlich Baumwolle wird hier so gut gedeihen wie in den ähnlich beschaffenen Niede­rungen des Rukwasees und in den großen Alluvialebenen des Manga, Rufidji und anderer Flüsfe, aber sie wird nicht eher exportfähig werden, als bis die Eisenbahn mindestens Tabora erreicht haben wird. Aus dem Weg Tabora-Tanganjika-Russissigraben wird dann auch der Kiwusee seine beste Verkehrsverbindung mit dem Indischen Ozean bekommen.

20. Der WuKrvcrsee.

Der Betrachtung des Rukwasees sei vorausgeschickt, daß ich diesen Namen mit den amtlichen Karten wegen der Einheitlichkeit bevorzuge vor den gleichfalls im Lande gebräuch­lichen Namen Rikwa, Likwa, Hikwa, Hugwa, Rukuga, Tschela und anderen. Der Rukwasee liegt 800 m hoch in einer tektonischen Senke, dem Rukwagraben, der den Njassa- graben in Nordwestrichtung fortsetzt und von diesem durch den in der Grabensenke stehen­gebliebenen Horst des UnM-Malilaplateaus und durch die aus dem Grabenbruch auf­gestiegenen jungvulkanischen Bergmassen des Konde-Oberlandes geschieden ist. Nördlich von diesem Querriegel erstreckt sich die ebene Grabensenke in wechselnder Breite von 25 bis 60 1?iri ca. 300 Kni lang nach Nordwesten bis an die Südabhänge von Ukawende, in der