19. Der Kiwusee.
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Rückgang des Kautschukhandels. Das sind betrübliche Zahlen, an deren Tendenz voraussichtlich auch die nächsten Jahre noch nicht viel ändern werden. Erst wenn einmal eine Bahn sich dem Tanganjika nähert, werden auch für dieses, unser fernstes großes Seegebiet bessere Zeiten kommen.
19. Aer Kin>usee.
Der Tanganjika bekommt seinen zweitgrößten Zufluß, den in sein Nordende einmündenden Russissi, durch die nördliche Grabensenke aus dem Kiwusee zugesandt, der in Luftlinie nur 110 Km vom Tanganjika entfernt ist und wie er in: Zentralafrikanischen Graben liegt. Der Kiwusee ist der kleinste der vier großen ostafrikanischen Seen, an denen Deutsch-Ostafrika Anteil hat. Vom 2." südl. Br. mitten durchschnitten, ist er in den Zentralafrikanischen Graben da eingebettet, wo dessen Sohle am höchsten liegt.
Wir haben S. 326 gesehen, daß auf der Südseite des Kiwu der Zentralafrikanische Graben durch den Querriegel des altkristallinischen, an: Südrand von jungvulkanischen Gesteinen durchbrochenen Plateaus von Bukunsi ^354; i56^Z abgeschlossen ist und auf der Nordseite des Kiwu durch den gewaltigen Damm des jungvulkanischen Kirungavulkangebirges. Weiter haben wir aus den tektonischen und hydrographischen Verhältnissen des Zentralafrikanischen Grabens den Schluß ziehen können, daß der Kiwusee ein geologisch noch sehr junges Alter hat. Dies und anderes führt zu der Annahme, daß einst an der Stelle des Kiwusees ein Bergland sich erhob, von dem die Gewässer nordwärts zum Nilgebiet abflössen, und daß sich dann, nach Einbruch des Grabens, eine nach Norden abfallende Grabensohle bildete, deren Abfluß ebenfalls dem Nilsystem zuging. Moores auf zoologische Untersuchungen gestützte Theorie ^353, i; 16^, daß vom Südende des Kiwu bis zum Nordende des Albertsees die Grabensohle einst ein einziges großes Wasserbecken gewesen sei, scheitert an dem großen Niveauunterschied dieser Grabeuteile: Kiwu 1455 in, Albert-Edward-See 900 m, Albertsee 640 m. Auf dieselbe Schwierigkeit stößt Kirschsteins Annahme ^374; 168. 378a; 401^, daß ein einstiges Wasserbecken den Kiwusee mit dem Albert-Edward-See vereint und die Grabensenke bis 45 Km nördlich des Albert-Edward-Sees erfüllt habe. Dies schließt natürlich nicht aus, daß hier und da in der Grabensenke, wo heute trockenes Land ist, vormals noch einige größere, durch Abflüsse verbundene Seen gestanden und ihre Sedimente niedergeschlagen haben, in denen sich eine gleichartige fosfile Wasserfauna findet (S. 343).
Die einstige Entwässerung des Kiwugrabens nach Norden hörte auf, als die Kirunga- vulkane durch ihre Eruptionsmassen einen gewaltigen Damm quer über dem Zentralafrikanischen Graben aufschütteten. Die Gewässer des Kiwugrabens wurden nun zu einen: See aufgestaut, der allmählich den Kiwugraben immer mehr ausfüllte, bis sich das Wasser am niedrigsten Rand, d. i. an der Westseite des den Graben nach Süden abschließenden Querriegels von Bukunsi, einen neuen Abfluß in dem jetzigen Russissi geschaffen hat M5; 45, 46. 293; 486, 487. 354; 219, 220^, der den Kiwu zum Tanganjika entwässert. Damit gehört der Kiwu hydrographisch zum Kongosystem.
Die politische Zugehörigkeit des Sees ist, wie S. 22 gezeigt, noch strittig. Tatsächlich liegen jetzt die Dinge dort so, daß Deutschland nicht nur das ganze zu Ruanda gehörende Ostufer von der äußersten Nordspitze bis zum Russissiausfluß in der Südspitze okkupiert hat, sondern auch die große Insel Kwidschwi und mehrere kleinere Inseln. Die
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