8. Das Küstenland.
zu den zahllosen Kleinkrämern und Aufkäufern im weiten Binnenlande reichen. Diesen Staat im Staate kann unsere Regierung nur dulden, wenn er sich an kaufmännische Grnno - sätze hält, die gesetzliche Geltung haben und behördlich kontrolliert werden können.
Indischer Abstammung sind auch die in allen Küsten- und Jnselstädten Ostafrikas verbreiteten, wenn auch nicht zahlreichen G o a n e s e n, die die kleine portugiesische Kolonie Goa in Ostindien zur Heimat haben und wohl lauter Mischlinge von Portugiesen uud Indern sind, obwohl sie fast sämtlich stolze portugiesische Adelsnamen, wie de Silva, de Souza, de Santos usw., tragen. Sie gelten für sehr viel redlichere Leute als die Kojas und Banjanen und machen sich in unserem Küstenland und an den Bahnlinien des Innern als Schneider, Köche, Gastwirte, Besitzer von Läden für Europäerbedarf und anderes nützlich.
Den bisher genannten, schon lange Zeit in Ostafrika ansässigen oder fluktuierenden braunen uud gelblichen Nichteingebornen unseres Küstenlandes, deren Gesamtmenge sich im ganzen Schutzgebiet 1907 auf mehr als 10,000 Köpfe belief und seitdem noch stark gewachsen ist — die große Mehrzahl wohnt im Küstengebiet —, schließt sich eine weiße An siedlergruppe an, die wegen ihrer Gewohnheit, auf einein niederen Daseinsnivean zn leben, von den Eingebornen „Waschensi wa uleia", d. h. europäische Wilde, genannt wird; es sind die Griechen und Syrer. Hauptsächlich befassen sie sich mit Handel jeder Art, mit Gasthausbetrieb, verschiedenen Handwerken, Agenturen, Speditionsgeschäften, aber auch mit Plantagenbau und mit Farmerei, und in allen Berufsarten bestätigen sie den ihnen in ihrer Heimat und in der Levante anhaftenden Ruf außerordentlicher Pfiffigkeit und Geschäftsgewandtheit. Ihr Weizen blühte namentlich in den unruhigen Zeiten der Aufstände. Mit dem Eintritt stabiler und geordneter Verhältnisse war ihre Zahl im Schutzgebiet von 206 (1906) ans 132 (1907) zurückgegangen. Es hat eine Auslese der besseren Elemente stattgefunden, denen fleißige, nüchterne Arbeit nachgerühmt wird. Der Eisenbahnbau und der zunehmende Plantagenbau hat ihre Zahl bis 1909 wieder auf ungefähr 300 vermehrt, von denen 15 selbständige Ansiedler sind.
In der bunten Schar der „echten" Europäer sind fast alle Nationen Europas und einige Amerikaner vertreten. Nach den Deutschen, deren Zahl in: Schutzgebiet von 1656 (1906) auf 2014 (1907) gestiegen ist, rangieren zuerst die Engländer und Kolonialengländer, d. h. Bureu, mit 338 (1907) gegen 278 (1906). Alle übrigen, wie Österreicher, Holländer, Russen, Schweizer, Italiener usw., siud nur in kleiner Zahl vorhanden und verteilen sich hauptsächlich auf die Berufe der Kaufleute, Pflanzer und Farmer sMschr. O.-A. 1907/03; 71, 78^. Von den anwesenden 95 Franzosen sind zwei Drittel Missionare.
Die Tätigkeit und koloniale Arbeit der Europäer und Eingebornen werden wir am besten kennen lernen, wenn wir, von Norden nach Süden an der Küste entlang fahrend, die einzelnen KüstenPlätze betrachten.
2. Die KüstenpliiKe.
Der nördlichste Hafen unserer Kolonie ist die Bucht von M 0 a, die im Norden von der niedrigen, buschbewachsenen und nur wenig bewohnten Koralleninsel Kirui flankiert ist i>15; 75,79^. Für den Verkehr ist die Moabucht nicht viel wert, denn sie ist seicht, großenteils von Riffen und Sandbänken erfüllt und läßt nur Dhaus und kleine Küstendampfer näher herankommen. Das in der Nordwestecke liegende Städtchen Moa hat darum nur wenig Handel und Verkehr. Seine etwa 600 Einwohner, die meist den: Stamme der Wassegeju