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Ostafrika.
im Diluvium auf dem ostafrikanischen Hochlandrücken bis in das äquatoriale Gebiet vor- gedruugeu waren, so find fie durch die folgende Trockenperiode, die Wiederausdehnung der Steppenformationen und die Einschrumpfung der Wälder ausgetilgt worden. Deshalb gibt es z. B. keine Hirsche und keiue Bären im äthiopischen Afrika M, i; 342^. Nur oberhalb des Waldes, in der alpinen Region, hat sich auf dem Kilimandjaro und Meru eine diluviale Reliktenfauna aus höheren nördlichen und südlichen Breiten erhalten. Auf die noch früheren Beziehungen zu Südamerika und zu anderen Ländern sowie auf die Herkunft der Vögel, Reptilien, Amphibien und übrigen Tierklaffen 1^48; 162-19^ einzugehen, überschreitet den Rahmen unserer tiergeographischen Übersicht.
7. Die WöMer.
1. Die ostafrikanischen Negervölker nnd ihre Bewegungen.
Die heutige räumliche Verteilung und Verbreitung der Völker Ostafrikas erklärt sich aus dem Verlauf der in diesem großen Lande stattgehabten Völkerbewegungen und Völkerverschiebungen. Für die Völkerbewegungen, die sich aus dem Boden Ostafrikas abgespielt haben, gibt die Beschaffenheit dieses Bodens selbst den Schlüssel zum Verständnis. Ostafrika ist, wie ganz Afrika, zum größten Teil eine Hochebene, die zwar einzelne fehr hohe Berge, aber keine Gebirgsketten hat. Sie ist zum größten Teil mit mehr oder minder dichtem Graswuchs oder mit meist recht lichten Busch- und Baumsteppen überzogen. Beides, die riesige Ausdehnung der Hochebenen und die offene Vegetation, ermöglicht den Völkern, sich, ungehindert durch die Natur, über das Inland hin zu be-wegen. Nur die mit Miombowald bewachsenen Flächen im Zentrum und im Südosten Deutsch-Ostafrikas sind von wandernden Volksmassen schwerer zu passieren; sie lassen sich aber in offeneren Steppen umgehen und sind auch oft umgangen worden. Auch die Flüsse sind keine wesentlichen Bewegungshindernisse, denn sie strömen außer an den Randabfällen zumeist in flachen weiten Tälern und sind reich an Furten und Bänken. Von den großen Seen aber berühren die in Grabensenken liegenden, wie der Njassa, Tanganjika, Kiwu, die wegen ihrer hohen Grabenränder, der steilen Randgebirge schwer zu umgehen sind, Deutsch- Ostafrika nur an der äußersten Peripherie und kommen darum für unsere vorliegende Betrachtung nur insofern in Betracht, als sie für alle ostafrikanischen Völkerbewegungen eine Schranke nach Westen hin gewesen sind. Dagegen ist der in einer flachen Mulde liegende Victoriasee, dessen Südhälfte unserem Schutzgebiet zugehört, von offenen Plateaulündern rings umgeben und deshalb von Völkern leicht zu umgehen und umgangen worden.
Während so durch die Beschaffenheit des Landes den Völkern im Innern Deutsch- Ostafrikas großeBewegungsfreiheit gewährt ist, erschwert die Eigenart der Randgebiete im Westen und Osten das Eindringen von außen. Wie der Westrand durch den Zentralafrikanischen Graben mit seinen Seen, so ist auch der Ostrand durch den hohen und steilen Stufenabfall zum Vorland ein nur mühsam zu überwindender Abschluß uach außen. Nur einige wenige tiefe Lücken, wie das Mnkondokwatal und das Ruahatal, oder das breite Tor des Ost-Massaigebietes sichren bequem durch das Randgebirge ins Innere.
An Anlässen und an der Möglichkeit zu Bewegungen hat es in Ostafrika nie gefehlt, denn das Land liegt im Süden und Norden offen bis in die fernsten Weiten der afrikanischen Osthälfte und gewährt den Stämmen, die der Nahrungsmangel oder die