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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

meisten hervor und sind deshalb und wegen ihrer Bedeutung für Leben und Wirtschaft dem Geographen von Interesse: die Galeriewälder nebst Schilf- und Papyrusdickichten und die Mangrovenwälder der Küste.

In allen xerophytischen Formationen, die den größten Teil Deutsch-Ostafrikas be- decken, ist iu der Nähe der Gewässer der Boden, soweit er vom Wasser infiltriert ist, von hygrophilen Gehölzen oder in Jnundationsgebieten und Sümpfen von Schilf- oder Papyrusdickichten bewachsen. Diese Gehölze begleiten die Flußufer nur in einem schmalen, vom und zum höhereu Uferrand aufsteigenden Band (deshalb Galeriewald genannt), das sich von der xerophytischen Umgebung durch Wuchs- und Artenbestand scharf abhebt. Ost steht der Galeriewald in seiner Entwickelung dem üppigsten tropischen Regenwald nicht nach, aber auch an den nur in den Regenzeiten gefüllten Flußbetten ist er oft vermöge des reichlichen unterirdischen Wassers von großer Fülle und Schönheit. Riesen­bäume der Moracee (A^oroxliora <zxeel8g,, des Z?ieus s^ovinorus und ?ieus oaxensis, ver- schiedene Arten ?ixt3,dsnig,, die ^.Idi^is, Lro^vnii, Oroton maoroLwoliis, IsNninalis, Hilde- dranätii, Haxnia,- und Voraus-Palmen und andere überragen die große Masse der kleineren Bäume und Büsche, und alles ist verstrickt und durchwoben von Schlinggewächsen, Lianen, strauchigem Unterholz und Kräutern ^76; 278/279^.

Im Haushalt der Natur und der menschlichen Wirtschaft sind die Galeriewälder wichtig als Aufenthalt und Brutplatz zahlloser die Feuchtigkeit liebender Tiere und als schützendes Rückzugs- und Siedelgebiet vieler ackerbauender Stämme, als Lieferant des wertvollen I^g.nä0lx1iig.-Kautschuks, als Terrain mehrerer europäischer, von künstlicher Be­wässerung abhängiger Plantageukulturen usw.

K) An der Mündung der Flüsse endlich uud am Rande der Krieks, auch an vielen Stellen des Meeresstrandes zieht eine Gehölzformation entlang, die an Brackwasser oder an unvermischtes Meerwasser gebunden ist und sowohl ökologisch als auch sloristisch vou allen Binnenlandformationen abweicht: dieMangr 0 ve n. Die lebhaft grünen Bäume stehen in dichten Beständen auf hohen Wurzelstelzen oder auf starkeu Kniewurzeln im Schlamm des Uferwassers, bei Flut oft bis nahe an die Baumkronen eingetaucht, bei Ebbe bis auf den Bodenschlamm entblößt. In Ostafrika sind sie meist zu niedrig, als daß man die Formation als Wald bezeichnen könnte; es ist meist ein großes immergrünes, dichtes Gebüsch, das in seiner Artenzusammensetzung mit den Mangroven des tropischen Asien, Australien und Mikronesien übereinstimmt, dominierend die Arten Rm'^oxKors, inuororiÄw, (^srio^s Landollsg-Qg,, I^inQit26ra raeenioss., ^.viesnnig. ottieinalis, gegen die alle anderen zurücktreten 1^79; 423^.

Wirtschaftlich wertvoll sind die Mangrovengürtel dadurch, daß sie das Land gegen die Flutabspülung schützen, einige sehr gute Bauhölzer liefern und in der stark gerbstoffhaltigen Rinde ein Produkt geben, dessen sich der Export immer mehr bemächtigt.

5. Pflanzengeographisches und Pflanzengeschichtliches.

Im FlorenreichTropisches Afrika" gehört Deutsch-Ostafrika dem GebietOstafrika und Jemen" an, das sich in der Hauptsache wieder in dieRegion der tropischen Ostküste" und in dieMittelafrikanische Savannenregion" gliedert. Während unser ostafrikanisches Florengebiet im Norden bis nach Südwestarabien hinübergreift, grenzt es im Süden an das Florengebiet vonSambesi-Natal", das sich teilweise bis zum Ost-Nsassa erstreckt, im