Allgemeine Übersicht: 5. Vegetation.
53
5. Die Wegetation.
Die räumliche Anordnung und Verbreitung des Pflauzeukleides eines Landes, mit der es die geographische Betrachtung zu tuu hat, also die Vegetatio nsformati o n ^ n jedes Landstriches, hängen in ihrem Entstehen und Bestehen viel weniger von der Beschaffenheit des Bodens ab als vom Klima. Der maßgebendste klimatische Faktor für die Vegetation ist die Feuchtigkeit, die deu Pflanzeu eutweder durch die atmosphärischen Nieder schlage und den Wassergehalt der Luft oder durch unterirdische Bewässerung zugeführt wird. Der klimatische Faktor der Wärme ist erst vou sekundärem Einfluß auf die Vegetationsformationen.
Wenn nun von der Pflanzengeographie nach dem Grade der Feuchtigkeit eiues Gebietes und nach dem Maß der Anpassung der Vegetation an die Feuchtigkeit hygrophile und xerophile Formationen unterschieden werden, die sich wieder in Geholze und Gras fluren und in verschiedene Mischformen aus diesen beiden gliedern lassen, und wenn dazu noch Modifikationen nach der Einwirkung der Temperatur zu beachtelt sind, so kann man erwarten, in einem Land wie dem äquatorialen Ostafrika, das von der tropischen Meero- küste bis zu 6000 in hoheu Bergeu ansteigt und das, wie wir im vorigen Kapitel saden, demgemäß iu seinen verschiedenen Landstrichelt ein sehr verschiedenes Klima, sehr ver schiedene Feuchtigkeitsverhältnisse hat, eine große Mannigfaltigkeit von Vegetationsformationen anzutreffen.
Man wird sich jedoch hüten müssen, aus der Anordnuug und dem Charakter der Vegetation eines Gebietes ohne weiteres Rückschlüsse auf sein Klima, insbesondere auf die Menge und zeitliche Verteilung der Niederschläge, zu machen, denn das natürliche Bild kann künstlich stark verfälscht sein. Diese Verfälschung ist in Ostafrika in hohem Maße und in weiter Ausdehnung durch die Eingebornen herbeigeführt worden, die teils für ihre Feldwirtschaft, teils für die Viehweide alljährlich große Flächeu niederbrennen und seit Jahrhunderten niedergebrannt haben. Die Ackerbauer kultivieren auf dem geordneten uud gebrannten Stück Wald- oder Buschland ihre Hackbaufrüchte so lange, wie der Boden ohne Dünguug genug hergibt. Das dauert gewöhnlich nur 2—3 Jahre, und dann brennt der ostafrikanische Hackbauer ein anderes Stück Wald oder Busch ab uud überläßt das verlassene der ueuen Bestockung, bis es nach einer Reihe von Jahren wieder von ihm oder einem anderen in Angriff genommen wird. Die Folge ist eine starke Reduktion des Waldes oder eilte völlige Entwaldung in Landstrichen, wo die erwiesene Häufigkeit der Niederschläge eineu weit ausgedehnten kräftigen Waldwuchs erwarten läßt.
Ebenso fälscht das für die Viehhaltung ausgeübte Wildbreuueu das natürliche Pflanzenbild. Alljährlich am Ende der .Haupttrockenzeit wird von den viehzüchtenden Stämmen das welke Gras der Weidenflächeu niedergebrannt, um mit der Regenzeit frischen grünen Nachwuchs aufsprießen zu lassen. Das Feuer macht aber nicht beim Grase uud an den Grenzen der Grasfluren halt, sondern es zerstört auch deu Busch- und Baumwuchs weithin, so daß dieser immer mehr zurückgedrängt wird und in seinem Habitus krüppelig zum „Zwetschenbaumtypus" degeneriert 126^.
In weiten Gebieten Deutsch-Ostafrikas, wo die klimatischen Verhältnisse Waldwuchs erwarten lassen, z. B. auf den Randgebirgen, im Zwischenseengebiet, in West-Usambara, zeugen verstreute Waldparzellen davon, daß der Wald einst viel weiter ausgedehnt war, bevor der