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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Allgemeine Übersicht: 5. Vegetation.

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1. Die Vegctationsformationen der periodisch trockenen Gebiete; meist lanvabwersende Gewächse.

a) Die offene Grassteppe oder Hochgrassteppe (SchimpersSteppe") setzt sich hauptsächlich aus 12 in hoheu, harten Gräsern der ^näroxogon-Arten, der Pauiceeu, Agrostideen, Chlorideen, Festuceen usw. zusaintnen, die in dichten, getrennt stehenden Büscheln überall den roten lehmigen oder lateritischen Boden durchschimmern lassen, uud ist von zahlreichen Zwiebelgewächsen, Rhizompflanzen und niedrigen Staudeu der Papilio- naceen, Malvaceen, Jridaceen, Asklepiadaceen, Konvolvulaceeu, Akmtthaceen usw. durch­setzt. Die Euphorbiaceen treten zurück, Umbelliferen fehlen gäuzlich s74; 50-5«. 79; 394-396^. Bisweilen sind ganz vereinzelte Bäume und Sträucher, meist Akazien, ein­gesprengt und vermitteln dann den Übergang zur Busch- und Baumgrassteppe.

Diese offene Grassteppe (s. Vegetationskarte, Rubrik 12) ist nur in der Nordhälste Deutsch-Ostafrikas verbreitet, von wo sie sich weit und in großer Ausdehnung ius englische Gebiet hineinzieht. Riesige Flächen bedeckt sie in der südlichen Massaisteppe, in Ugogo, im mittleren Unjamwesi und im Osten und Südosten des Bictoriasees. (S. Taf. 1, Bild 2: Taf. 13, Bild 1; Taf. 14, Bild 1.)

b) Die Baum- und B u s ch g r a s st e p p e (SchimpersSavanne" uud Strauchsavanue") trägt auf ihrem grasigeu Gruud verschiedeuartige Sträucher der Anona- ceen, Leguminosen, Euphorbiaceen, Anakardiaceen, Rhamnaceen, Verbenaceen, Rnbiaceen usw. in vereinzelten Exemplaren oder kleinen Gruppen, und von Bäumeu hauptsächlich Akazien neben da und dort mächtig aufstrebenden dicken Baobabs (^.clanLonia diZitat-i), KiZsIia aetliioxiea und schlauken Dumpalmeu (H^p^aens-Arten). Auch Bäume der Spezies Oaldergia, Lbsreulia, (^oinorstum, ?6rrriina1ia, Kti'^olinos usw. rageu hill uud wieder aus der Grasflur auf, alle weit auseinaud ersteh end, so daß man nach allen Richtuugeu kilometerweit zwischen ihnen durchsehen kann ^74; 53-02. 79; 396). Zuweileu herrschen einzelne Arten so sehr vor, daß man von einer Schirmakaziensteppe, einer Dumpalmeu- steppe und anderen sprechen kamt.

Diese Baum- und Buschgrassteppe, deren parkartiges Ausseheu im ein­zelnen eines der hübschesten Landschaftsbilder Deutsch-Ostafrikas bietet, wirkt iu ihrer großeu Ausbreitung höchst monotou; etwa ein Drittel Deutsch-Ostafrikas mag von ihr bewachsen seiu. Sie kommt nicht im Westen, Süden und Nordosten vor, aber sie zieht sich von der Mitte unseres Küstenlandes in einer breiten Zone durch Useguha, Khutu, Mahenge zwischen den Lücken voll Ussagara hindurch nach Ussaugu und nordwärts weiter durch Ujansi, Turu, Jramba, Jssausu usw. uach Unjamwesi uud der Südostseite des Victoriasees.

0) Der Step pell wald, Trocken Wald oder Miombowald (Schüm persSavannenwald") ist ein xerophiler Niederwald mit verlMmsmäßig geringem Gras- wnchs. 520 in hohe, ziemlich geradstämmige Bäume mit ^^ in dickeu Stämmen bilden den Hauptbestand, vorherrschend Leguminosen mit tiefgehenden, ins Gruudwasser reichenden Wurzelu, wie Li-ÄLl^stsZia - und Lsrlinia-, aber auch ^oavia-, Ltsroulia-, XiZelia-, lerrninalia-Arten, die alle unter dem NamellMiombo" zusammengefaßt werdeu. Fiederblätterige Bäume von eschenartigem Habitus überwiegeu stark, während das Unter" holz so licht ist, daß man oft weit durch den Wald sehen uud geheu kaun. (S. Taf. 14, Bild 2.) Die für die Baum- und Buschgrassteppe charakteristischen Formen der Baobabs, Hvvliasns-Palmen und großen ?i<m8 fehlen ganz 1^7-4; 62-64).