Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Allgemeine Übersicht: 3. Bau und Bodengestalt.

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so herrschen doch die großen geschilderten Bewegungen bei weitem vor, und diesen ver danken auch unsere ostafrikanischen Küstengebiete und ihr näheres Hinterland eine güu stige klimatische Beeinflussung; denn da im Süden der Südostpassat mit der Passatdrift, im Norden die Monsune mit der Monsundrift immer aus der kühlereu Gegend nach der wärmeren gerichtet sind (S. 40), bringen sie stets kühlere Luft uud kühleres Wasser an das erhitzte Land uud mildern die thermischen Gegensätze so weit herab, daß die >iusien lander ein außerordentlich gleichmäßiges Klima haben, dessen Durchschnittstemperatur von 2526° für die äquatoriale Lage recht gering ist. Auch Stürme sind ungemein selten. Wie ferner auch die Niederschläge von diesen Meeresverhältmssen beeinflußt sind, werden wir im KapitelKlima" sehen.

4. Die Gliederung in Landschaften.

Überblicken wir am Ende unserer Ruudschau das Gesamtergebnis all jener in der Vergangenheit und der Gegenwart an dem Aufbau und der Oberflächengestaltun^ Deutsch-Ostafrikas arbeitenden Vorgänge und Kräfte, so ergibt sich eine sehr einfache Glie­derung des Landes in große natürliche Landschaften, die uns als Grundlage für die spätere Einzelbetrachtung dienen kam::

1) Die Deutsch-Ostafrika bespüleude Meereszone und der gesamte K ü st e n - strich mit den vorliegenden Inseln, von deren drei größeren (Pemba, Sansibar uud Mafia) nur Mafia dem deutschen Gebiet angehört. Es ist eine geographische Eiichen in bezug auf Orographie, Klima, Vegetation, Tierwelt und eiugeborue Bevölkerung, doch weicht das nördliche Küstenland in mancher Beziehung vom südlichen ab.

2) Das Küstenhinterland oder Gebirgsvorland zwischen der Küstenzone und dem Ostrand der innerafrikanischen Hochländer. Es ist das Gebiet der Meerestrans- gressionen seit der Jurazeit. Es läßt sich, wie die Küstenzone, oro-hydrographisch und klimatisch in ein südliches und ein nördliches Gebiet gliedern, deren Grenze der Rusidji ist. Und jedes dieser beiden großen Gebiete zerfällt wieder in mehrere kleine natürliche Land­schaften, unter denen die die Küstenzone begleitenden jurassisch-kretazei'schen Randplateaus und das ebene Hinterland mit seinen Jnselbergen am meisten hervortreten. Also:

a) das südliche Küstenhinterland, südlich des Rnfidji, mit den ^iistenrandplateaus Makonde, Mue'ra, Kiturika, Matumbi, Kitschi einerseits und den ebenen Landschaften am Rowuma (Donde, Mahenge usw.) nebst ihren aufsitzenden Gneis-Jnselbergen (Massassi, Madjedje, Mtungwe, Lukunde, Upogoro usw.) anderseits;

v) das nördliche Küstenhinterlaud uördlich des Rusidji, mit dem Küstenrand- Plateau Usaramo einerseits und den ebenen Landschaften Khutu, Ukmni, Udoe, Ukwere, Useguha, Bondei nebst ihren aufsitzenden Jnselbergen von Uluguru, Pongwe, Gendagenda, Tongwe usw. anderseits.

3) Der gebirgige Ostrand des innerafrikanischen Hochlandes, das sogenannte Ostafri­kanische Schiefergebirge oder Ostafrikanische Randgebirge. Es ist eine lange Reihe durch Erosionstäler und tektonische Senken voneinander getrennter, östlich des Njassa- sees von Süden nach Norden, dann nordwärts von Südwesten nach Nordosten ziehender Bergländer, die in Orographie, Klima, Vegetation uud Fauna euren gemeinsamen Cha­rakter haben. Von Süden nach Norden sind es die Landschaften Ungoni, Ubena, Uhehe (mit dem Tiefland Ussangu), Ussagara, Ungarn, Usambara, Pare.