Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Allgemeine Übersicht: 3. Bau und Bodengestall.

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erlangt hat, und durch die wachsende Erstarkung unserer Kolonie und ihrer >n>stenplätze, die sich durch unsere im Werk befindlichen Bahnbauten immer noch mehr heben werden, sehr abgeschwächt worden. In Summa ist Deutsch-Ostafrika das in sich geschlossenste, am besten abgerundete und bestbegrenzte von allen Miseren Schutzgebieten.

3. Wcru und Woöengeftatt.

1. Die geologische Geschichte.

Deutsch-Ostafrika ist, orographisch und hydrographisch betrachtet, ein zwischen dein Indischen Ozean und Tanganjikasee einerseits, dem Bictoriasee und Rowuma anderseits gelegener Ausschnitt aus dem großen ostafrikanischen Hochland, das sich ununterbrochen von Abessinien im Norden bis zum Sambesi im Süden ausdehnt und jenseit der Sambesi­niederung westwärts bis zum westafrikauischen Plateau vou Bihe, südwärts in mehrfacher Unterbrechung bis zur Südspitze Afrikas reicht.

Ju dem mittleren, von Deutsch-Ostafrika eingenommenen Teil ist dieses Hochland in der Hauptsache ein riesiges, vorwiegend aus Gueiseu uud Graniten bestehendes Hoch­plateau mit schier endlosen Ebenen, weit auslaufenden flachen Bodenwellen und niedrigen Hügelzügen. Nach Westen und Norden dacht es sich langsam ab: Mpapua liegt 1030 in, Tabom 1230 in, Udjidji 820 m, Njcmgwe 530 m, Stanley-Pool 280 rn hoch. Nirgends trägt das deutsch-ostafrikanische Land hohe Gebirgsketten, wie Nordafrika den Atlas; die langen, hohen Bergketten, die in Europa (Alpen), Asien (Himalaja) und Amerika (Kvrdil leren) das orographische Rückgrat bilden und jedem dieser Erdteile seinen eigentümlichen Zug verleihen, fehlen ja überhaupt dem afrikanischen Kontinent.

Einen großen variierenden Zug in die ungefüge gewaltige Hochlandmasse Deutsch- Ostafrikas bringt aber eine Reihe von großen und kleinen geologischen Störungszonen, in denen mehr oder minder lange Schollen oder Schollenkomplexe der Erdkruste eiugesunken sind und als Seukungsfelder oder Grabenbrüche von teilweise kolossaler Ausdehuuug und mit oft stark anfgewulsteteu Rändern und meist jähen Seitenwänden die Hochebenen unter brechen. Depressionen mit tieferem Niveau als der Meeresspiegel gibt es nur eine einzige, das Bett des Njassasees (S. 360). Die Grabenbrüche verlaufen in der Mehrzahl fast meri- dional, und zwar überwiegen zwei Systeme: das NNW-SSO gerichtete Erythräische uud das NNO-SSW gerichtete Somalsystem, neben zahlreichen Querbrüchen. Alls ihrem tiefliegenden Boden sammeln die Senkungsfelder die Gewäffer des Umlandes zu Seen. Die größten dieser tektonischen Einbruchzonen sind der Große Ostafrikanische Graben halb­wegs zwischen der Küste und dem Victoriasee, mit zahlreichen abflußlosen Seeu, ferner das Becken des Victoriasees selbst, im äußersten Westen der Zentralafrikanische Graben mit den, Tanganjika- und dem Kiwusee und im Südwesten der Njassa- und der Rnkwagraben mit den gleichnamigen beiden Seen. Aus diesen großen Grabenbrüchen und aus benachbarten kleineren Störungszouen sind weite vulkanische Ergüsse hervorgequolleu und mehrere Gruppen von Vulkanbergen emporgewachsen, die nun als höchste Erhebungen des gesamten Reliefs auf den Hochplateaus aufsitzen. Die größten sind die Kondeberge nördlich des Njassa, die Kirungavulkane nordöstlich des Kiwusees, die Vulkane des Winterhochlandes westlich vom Manjarasee und die gewaltigen Kegel der Kilimandjaro-Merugruppe, in deren Kibo (6010 m) der ganze afrikanische Erdteil gipfelt.