Allgemeine Übersicht: 3. Bau und Bodengestalt. ZZ
Ostafrikanischen Graben im Osten bis zu den Randgebirgen des Zentralafrikanischen Grabens im Westen und führt sie dem Nil und durch ihn dem Mittelmecr zu. Von der Quelle des südlichsten Kagera-Nilzuflusses bis zur Nilmündung mißt diese Mediterrane Abdachung rund 3950 1cm. Im mittleren Deutsch-Ostafrika liegen also die Wasserscheiden der drei den afrikanifchen Kontinent bespülenden großen Meere, des Indischen, Atlantischen und Mittelmeeres, beieinander. Das Hochland von Deutsch-Ostafrika ist das „Dach" von Hochafrika, wie das Pamirplateau das Dach von Hochasien ist.
Aber die drei Abdachungen berühren sich unmittelbar nur teilweise auf dem ostafrika- nifchen Hochplateau. In zwei Gebieten sind die Wasserscheiden getrennt durch abflußlose Zonen, während an mehreren anderen Stellen nur in regenreichen Zeiten Abflüsse zu einem der Stromsysteme vorhanden sind. Die beiden großen abflußlosen Zonen liegen in tektonifchen Grabenbrüchen. Die größere ist die des Großen Ostafrika - nischen Grabens und seiner kleineren westlichen Nachbargräben. Sie trennt im Nordosten Deutsch-Ostasrikas die Indische Abdachung von der Mediterranen und der Atlan tischen und sammelt die Gewässer zwischen dem Meru und den östlichen und südlichen Randlandschaften des Victoriasees in eine Reihe abflußloser, meist salziger Seen der Graben senken. Die andere abflußlose Zone ist die des Rukwasees im Südwesten des inneren Hochlandes und trennt dort die Indische Abdachung von der Atlantischen. Ihr Einzugsgebiet ist viel kleiner als das des Großen Ostafrikanischen Grabens.
Die kleineren, nur zeitweilig abflußlosen Gebiete find über das ganze Land zerstreut. Diese Eigenschaft, eine Reihe periodisch abflußloser Gebiete uud damit periodisch sich verschiebende Wasserscheiden zu besitzen, hat Deutsch-Ostafrika mit vielen anderen Gebieten Afrikas und anderer Erdteile gemeinsam. Die Ursache liegt hier wie dort in der Ausdehnung großer Ebenen und in der sehr unregelmäßigen Verteiluug der Niederschläge dieser Landesteile und demzufolge in der großen Schwankung der Wasserfiihruug der Flüsse und Bäche. Ihre Wirkuug hat an der Ausprägung des verschiedenen physiognonüschen Charakters der drei großen Regionen Ostafrikas: des Hochlandes, der Randgebirge nebst Stufenabfall und des vorliegenden Niederlandes, einen wesentlichen Allteil.
3. Die Lberflächengestalt. Das Meer.
Das ganze Hochland ist, wie wir oben (S. 27) gesehen haben, seit ungeheuren Zeiträumen nicht mehr vom Meer bedeckt gewesen. Unzählige Jahrtausende haben hier kontinentale Verhältnisse geherrscht, unendliche Zeiten haben Frost uud Hitze, Wiud uud Wasser, Pflanzen und Tiere auf den Boden eingewirkt und die Gesteine zerstört, ohne daß eine neue Meeresüberflutung diesen Zerstörnngsprozeß unterbrochen oder ihn durch ueue Gesteinsbildungen wieder ausgeglichen hätte.
Durch die starke, vou Somlenstrahluug uud folgeuder Abkühlung verursachte mecha nische Verwitterung werden die Gesteine gelockert und durch die vom kohlensäurereichen und salpetrige Säure enthaltenden Regellwasser und von verwesenden Pflanzen ausgehende chemische Verwitteruug werden sie bis in große Tiefen zersetzt. Ein Teil der Verwitteruugs- produkte wird vom Regen weggeschwemmt und durch die Flüsse ins Meer geführt, aber im größeren Teil des Landes reicht die Wasserführung zu so weiter Wirkung nicht aus. Die Hauptmasse bleibt daher liegen oder wird von den Glissen der Regenzeit nur in die nächsten Bodensenkungen getragen und ausgeebnet, so daß das Laud unter einer immer dicker
Das Deutsche Koloninireich. I. 3