Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

Mgemeine Übersicht: 3. Bau und BodengeM,

Indischen Ozeans tektonische Vorgänge mindestens stark mit beteiligt, nicht bloß Ande rungen im Stand des Wasserspiegels.

Aber nicht nur in den Randgebieten vollzogen und vollziehen sich solche große Be­wegungen, sondern auch im Innern des Ostafrikanischen Hochlandes haben seit der meso­zoischen Zeit gewaltige Zerreißungen und Zerstückelungen der Erdkruste stattgefunden. Besonders die Grenzzeit zwischen Kreide und Tertiär ist ja allgemein die Zeit starker tek- tonischer Bewegung und Gebirgsbildung gewesen. Im Innern Ostafrikas sind infolge solcher Bewegungen riesige Senkungsselder, meist in Form langgestreckter Graben­brüche, entstanden. Der Tanganjikagraben scheint zum Teil schon vor der Karroo- periode entstanden zu sein (S. 328). Die Senkungsfelder der anderen großen Seen sind wahrscheinlich jünger als der Tanganjikagraben, aber jedenfalls älter als die aus ihnen hervorgewachsenen tertiären uud quartären Vulkane. Daß bei der Entstehung der Gräben die Lösung der Spannungen, die das Zerreißen der Erdkruste verursacht habeu, oft eine Aufwärtsbewegung der Bruchränder zur Folge gehabt hat, ist schon von Sueß dargetan worden. In manchen Fällen kann aber das Aufragen der Grabenränder auch durch Unter schieben versunkener Bruchschollen verursacht sein. Die mächtigsten, ausgedehntesten über ragenden Bruchränder in unserem Schutzgebiet sind die der großen, zum östlichen Borland und Küstengebiet abfallenden Bruchstufe (das sogenannte Ostafrikanische Schiefergebirge) und die auf dem Ostrand des Zentralafrikanischen Grabens, insbesondere des Tanganjika- grabens (das sogenannte Zentralafrikanische Schiefergebirge).

Die alten und die jungen Bruchbildungen sind in Ostafrika von vulkanischen Ergüssen und Aufschüttungen begleitet gewesen- die alten von porphyrischen Ge­steinen, Graniten, Diabasen und anderen, die jungen von Trachyten, Andesiten, Ba­salten usw. In den jungen Bildungen ist der Vulkanismus an vielen Stellen noch in der Gegenwart aktiv, teils in tätigen Vulkanen (Niragongo, Namlagira, Adolf-Friedrich- Vulkan und auf englischen: Gebiete der Telekivulkan), teils in Solfataren (Meru, Engai), teils in heißen Quellen (am Nordost-Njassa, am Kiwu, in Karagwe, am unteren Rufidji usw.). Während von den alten Vulkangesteinen sich Granit, Diabas und andere auch außerhalb erkennbarer Bruchzonen finden, sind jungvnlkanische Gebilde nur in und nahe an deutlichen tektonischen Störungszonen beobachtet worden. Es ist nnr logisch, wenn man aus diesem örtlichen Zusammenhang auch auf den genetischen schließt. Bei der Besprechung des Kilimandjaro werden wir auf diesen Zusammenhang zurückkommen Ivgl. auch 46; 67-69^.

Begreiflicherweise gehören die auf den Brüchen der Hochebenen aufsitzenden Vulkane und Vulkangruppen nach ihrer Anordnung, ihren Formen, ihrer Zusammensetzung usw. zu den auffallendsten Zügen im landschaftlichen Charakterbild von Ostafrika. Ganz von selbst ergibt sich daher, daß man jede dieser großen Gruppen mit ihrem tektonischen Unter­grund und ihren übrigen, vom Allgemeinen abweichenden geographischen Eigenschaften als ein besonderes Glied, als einenatürliche Landschaft" für sich betrachtet.

2. Die Abdachungen und FlusjMeme.

Dem bisher geschilderten orogravhischen Aufbau des Landes und seiner Gliederung in Küstengebiet, Küstenhinterland, Zentralplateau mit Nandgebirgen und Bruchzonen ent­sprechend, gliedern sich auch die den verschiedenen Ozeanen zugeneigten Abdachungen