Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Allgemeine Übersicht: 1. EntdcckimgSgcschichte.

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I>. Die nationale Periode.

Als 1884 mit dem Eintritt Deutschlands in die Kolonialpolitik die Aufteilung Afrikas begann, war Ostafrika zwischen der Küste und den großen Seen in seinen Hauptzügen be­kannt, aber im einzelnen blieb noch viel zu enträtseln übrig. Jetzt nahn: die Wissenschaft liche Forschung einen nationalen Charakter an. Hatten die Engländer, Belgier und Franzosen mit ihren Forschungsexpeditionen schon längst politische und merkantile Neben- zwecke im Interesse ihrer Mutterländer verfolgt, so folgten die Deutschen erst jetzt diesem Beispiel in ihren eigenen Kolonialgebieten. Aber auch die rein wissenschaftlichen Forschungen deutscher Afrikareisender bewegten sich von nun ab vorzugsweise im deutschen kolonialen Neuland, während die Reisenden anderer Nationalität sich fast ganz von unseren Sän in gebieten fernhielten. Besonders in Ostafrika ist die Forschungsarbeit ganz von Deutschen ausgeführt worden, abgesehen von den Reisen der im Lande angesessenen englischen und französischen Missionare und vereinzelter fremder in den Grenzgebieten tätiger Naturforscher. In den erstell kolonialen Sturm- und Drangjahren, alsCarlPeters mit Jühlke, I. Graf v. Pfeil, Otto, Rochus Schmidt, v. Zelewski, v. Gravenreuth und anderen eine Expedi­tion nach der anderen ins Innere führte und den deutschen Besitzstcmd immer mehr vergrößerte, trat die wissenschaftliche Arbeit sehr zurück. Nur I. Graf v. Pfeils Durchwanderuug Khutus, des Ulangagebietes und des südlichen Nufidjilandes (1885) erweiterte uusere geographische Keuntuis beträchtlich.

Gegen Ende der 1880er Jahre, als die politischen Verhältnisse sich zu kläreu begannen, setzte auch die wissenschaftliche uud namentlich die geographische Forschung wieder ein; aber der 1888 losbrecheude Aufstand hemmte die wissenschaftliche Bewegung, uud erst nach seiner Niederwerfung durch Wissmann uud nachdem die Festlandsgebiete 1890 vom Sultcm von Sansibar endgültig an Deutschland abgetreten waren, begann ein neuer hoher Aufschwung der Landesforschung uud ist bis zur Gegeuwart in Kraft gebliebeil, indem sich die Forschung naturgemäß immer mehr auf engere Gebiete konzentrierte und deren Untersuchung vertiefte und möglichst erschöpfte. Diese Konzentrierung und Per- tiefung hat gerade iu der Erforschung Deutsch-Ostafrikas so reiche Früchte getragen, dns; sich hier die wisseuschaftliche Landeskunde vom festen nationalen Boden wieder zu inter­nationaler Bedeutung erhoben hat. Auch die kartographische Landesaufnahme, wie sie hauptsächlich dank der Mitarbeit unserer Offiziere in Deutsch-Ostafrika ausgeführt worden ist, übertrifft alles, was andere Nationen in ihren Kolonien in so kurzer Zeit geleistet habeu.

Seit der uationalen Begreuzuug der ostafrikauischeu Forschuug ist der Eifer um die wissenschaftliche völlige Erschließung des Laudes und die Zahl der Forschungsreisen und anderer laudeskuudlicher Unternehmungen und Einrichtungen so groß geworden, daß wir hier nur die wichtigsten hervorheben können und der Übersicht wegen nach geographischen Räumen ordnen müssen. Nur die größeren Expeditionen, die sich über Verschiedelle, weite Gebiete erstreckt haben, nehmen wir in chronologischer Allordnung voraus.

I. Reisen durch verschiedene, grosze Gebiete.

Voran ist die Expedition Emin Paschas (E. Schnitzers) zu stellen, die von F. Stuhl m a n n und teilweise von Hauptmann Langheld begleitet wurde. Voll Bagamojo 1890 aufbrecheud, zog sie über Mpapua-Tabora-Ussuwi uach der Westküste des