Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

Zeit der Ebbe, während in der Fluthzeit viele junge Pflanzen fortgeschwemmt werden; hierbei gehen freilich manche Pflanzen verloren; aber andere kommen, nachdem sie in das keulenförmige Ende Wasser aufgenommen haben, ebenfalls in senkrechte Lage und finden an untiefen Stellen mit den inzwischen hervor­getretenen Seitenwurzcln den nöthigen Halt.

Der Rhizophora mucronata ähnlich, aber kleiner ist Ceriops Can- dolleana, ein bis 4 m hoher Strauch, Mkoko Mkandala genannt und meist etwas mehr landwärts vorkommend, als der vorige.

Die Blätter sind verkehrt-eiförmig, am Ende oft ausgerandet und aufrecht, die Bliithen kleiner als bei voriger Gattung, in mehrfach verzweigten axillären Trugdöldeu und 5ötheilig; sie entwickeln so wie die von Rhizophora bis 4 dm lange längs-gerippte Stämmchen, welche mit dem Kuöspchen abfallen, während die verwachsenen Keimblätter im Samen und in der Eracht stecken bleiben. Auch bei dieser Gattung verkümmern von vornherein die llauptstengel, während Seitenwurzeln zur Ent­wicklung kommen.

Bruguiera gymnorrhiza besitzt einen schlanken Stamm und pyramiden­förmige oder schirmförmige Krone; sie überragt die vorher beschriebenen Arten und ist der stattlichste Baum der Mangrovenwälder; sie führt an der Küste von Sansibar den Namen Mkoko Msimsi.

Während bei der vorigen GatLung die Blüthen 4 Kelchblätter und 4 Blumenblätter besitzen, sind hier deren je S14 vorhanden; die Blüthen stehen häufig einzeln in den Blattachseln. Dieser Baum, der meistens näher am Land' wächst, als Rhizophora, entwickelt weniger zahlreiche und kürzere Stützwurzeln am Stamm, als Rhizophora, ausserdem aber rings um den Stamm Wurzeln, welche Anfangs unter dem Boden horizontal hinstreichen, dann aber sich aus dem Boden erheben und knieförmig umbiegend wieder im Boden verschwinden; bisweilen erheben sich diese knieförmigen, mit riesigen Lenlicellen versehenen und dem Gasaustausch dienenden Wurzeltheile oft 0,5 m Uber den Boden.

Ebenfalls etwas mehr landwärts kommt die baumförmige, mit kurzem, dickem Stamm und niedriger Krone, mit weit abstehenden, bogig gekrümmten Aesten und dicken, verkehrt eiförmigen, ihre Fläche in die Ebene des ein­fallenden Lichtes stellenden Blättern versehene Sonneratia caseolaris vor, der Mkoko Mpia.

Die Blüthen dieses zu den Sonneraliaceen gehörigen Baumes stehen einzeln in den Blattachseln oder zu dreien endständig; sie haben dickfleischige, hochrolhe Kelchblätter, zahlreiche, sehr lange, fadenförmige Staubblätter und ellipsoidische, 102ofächerige Früchte, deren zahlreiche, mit holziger Samenschale versehene Samen leicht schwimmen und, ins Wasser' gelegt, schon vor Ablauf von 24 Stunden keimen. Auch bei diesem Baum werden, wie bei dem vorigen, Athemwurzeln entwickelt; dieselben treten meist in grösserer Entfernung vom Stamm auf, wachsen senkrecht aus dem Schlamm in die Höhe, sind dünn, spindelförmig, oft 1,5 m hoch und bis 4 cm dick.

Ein anderer, nach den Angaben von Holst mehr landeinwärts, besonders gern am Rande der Creeks vorkommender, etwa 4 m hoher, einzeln oder gruppenweise vorkommender Strauch ist die Combretacee Lumnitzera race- mosa, der Mtwuim-twui, mit wechselständigen, dick lederartigen, spatelförmigen Blättern und in achselständigen Aehren stehenden Blüthen mit weissen Blumen­blättern, welche vom Mai bis August sich entfalten.

Die innen harten, einsamigen Früchte sind mit lockerem Schwimmgewebe versehen und so auch zur Verbreitung durch das Wasser befähigt. Die Keimung derselben ist noch zu beobachten; dagegen kennt man auch bei diesem Strauch den Wtirzelbau genauer. Von einer etwas horizontal verlaufenden Wurzel gehen mehr oder weniger zahlreiche Nebenwurzeln in Abständen von wenigen Centimelern senkrecht in die Höhe, biegen sich dann, an der Oberfläche hervorragend, im scharfen Bogen nach unten zurück und dringen wieder in die Erde ein.

Aehnlich wie Sonneratia verhält sich auch Avicennia officinalis, der Mshu, oft in grossen, sich weit ausdehnenden Beständen auf den clcr Plbbe und P'luth noch ausgesetzten Sandflächen, nur 34 m hoch, mit gegenständigen, lanzettlichen, grossen Blättern, mit kleinen, köpfchenförmig zusammensitzenden, gelben, einen betäubenden Duft ausströmenden Blüthen und mit eiförmigen, dünnschaligen, grünen und weichhaarigen Früchten, welche einen sehr weit ent­wickelten Keimling enthalten und wie die Samen aller nicht viviparen Mangrove­pflanzen auf dem Wasser schwimmen.