Fossile Korallen.
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Trias (St. Cassianer Schichten) aus einfachen Formen ( Myriophyllia ) durch rundliche Knospung bei erhaltenbleibendem, an Grösse dominierendem Mutterkelch Dimorphastraea -Formen entstehen. Es liegt nun sehr nahe, die weitere Entwicklung so anzunehmen, dass aus diesen Formen durch Ausgleichung der Kelchgrösse und Aufgabe der regelmässigen Kelchanordnung die echten Thamnastrcieen entstanden. Zu dieser Annahme scheint aber der Umstand nicht zu stimmen, dass bereits im Muschelkalk Schlesiens eine Thamnastraea [Th. silesiaca Beyrich) auftritt, die also älter wäre als diejenigen Dimorphastraeen, die wir im Alpenkeuper entstehen sehen. Handelt es sich bei der nur unvollständig bekannten schlesischen Form um eine echte Thamnastraea, so muss man annehmen, dass die Bildung von Thamnastraeen aus derselben Wurzel sich mehrmals wiederholt hat; Dimotphastraea stellt dabei das Durchgangsstadium dar, das zwar neben spezialisirten Formen fortlebt, generischen Werth jedoch nicht beanspruchen könnte. 1 )
Thamnastraea Moeschi Koby.
Koby, Polypiers Jurassiques de la Suisse p. 361, t. 97, f. 2—4.
Das einzige vorliegende Stück stimmt in allem, was sein leider recht ungünstiger Erhaltungszustand erkennen lässt, mit der von Koby aus dem terrain d chaüles der Schweiz beschriebenen Art überein. Der etwa faustgrosse massige Stock besteht aus parallelen Einzelröhren. Die napfförmig eingesenkten Kelchgruben von etwa 2'/% mm Durchmesser werden durch ebenso breite Zwischenräume getrennt. Der Abstand der Kelchzentren beträgt 5—6 mm. Die Kelche sind im grössten Theile des Stockes regellos vertheilt, in einer randlichen Partie dagegen gruppiren sie sich in parallele Reihen, deren Abstand etwa 4mm beträgt. Die Zahl der häufig dichotomirenden Septen dürfte 30—40 betragen. Vorhandensein oder Fehlen einer Kolumelle konnte des Erhaltungszustandes wegen nicht konstatirt werden. Der Korallenkalk des Stückes ist nämlich durch die Verwitterung in ein Aggregat von krystallinen Kalkspathkörnern umgewandelt, die im Dünnschliff dem ausfüllenden krystallinen Kalk volkommen gleichen, so dass der Schliff kaum die Korallennatur des Stückes erkennen lässt, während die angewitterte und polirte Oberfläche leidliche Beobachtung zulässt. Trotz dieser ungünstigen Erhaltung glaube ich das Stück mit einiger Sicherheit mit der Schweizer Art indentifiziren zu können, da es besonders mit Koby’s Fig. 2 so gut übereinstimmt, als ob diese von ihm selbst genommen wäre.
II. Fundort in der Gemarkung Yumbulu, 35 km nordwestlich
von Kiswere.
Diplocoenia Bornhardti n. sp. 2 )
Taf. XXVI, Fig. 9, a, b, c.
Das einzige vorliegende Stockbruchstück dürfte bei einer Röhrenlänge von etwa 16 —17 cm von einem fast kopfgrossen Stocke herstammen. Die
b Die wenigen bisher bekannten Korallen des deutschen Muschelkalks geben in verschiedener Richtung zu denken. (Es sind: Thamnastraea silesiaca Beyrich, Montlivaltia triasica Dunker, Stylina Archiaci Michelin, Latimaeandra Hopfgartneri Eck, Cyathophora (?) Fürstenbergensis Eck, cf. Beyrich, Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1852, p. 217, und Eck, dieselbe Zeitschrift 1855, P- 3 2 )- ,c h e gehören zu fünf unter sich sehr verschiedenen Gattungen, die alle mehr oder weniger stark spezialisirt sind und die Präexistenz anderer, gewissermaassen normaler Gattungen vom Hexakorallentypus voraussetzen (so setzt Latimaeandra einfachere Isastraea-Formen, Cyathophora Asträiden voraus, die weniger auf Cönenchym und Septenreduktion hin spezialisirt sind) und folglich eine lange Entwicklungsgeschichte voraussetzen, ehe ihre Ahnen auf den Typus der Rugosen zurückgeführt werden können.
2 ) Ich erlaube mir, diese Art nach dem Entdecker des hier behandelten Materials z,u benennen.