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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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Vieru»(lz\v;uizi« , sti , s Kapitel. H. i.

B. Systematische Uebersicht der geologischen Ergebnisse.

In den bereisten Gebieten haben die folgenden geologischen Formationen unterschieden werden können:

1. Urgneissformation.

2. Urschieferformation (?).

3. Kapformation (?).

4. Karooformation.

5. Dogger und Malm.

6. Untere Kreide.

7. Obere Kreide.

8. Eocän und Jungtertiär.

9. Mikindani-Schichten (Altquartär oder jüngstes Tertiär).

10. Subrezente und rezente Bildungen.

11. Plutonische Bildungen.

12. Jungvulkanische Bildungen.

1. Urgneissformation.

Die Urgneissformation besitzt in den bereisten Gebieten die weitaus grösste Verbreitung. Sie bildet den Sockel, auf dem sich die jüngeren Bil­dungen aufbauen. Im Küstengebiete scheint sie sich im Untergründe der jüngeren Bildungen ohne jede Unterbrechung durchzuerstrecken. Im Nyassa- gebiete wird ihr Zusammenhang mehrfach dadurch gestört, dass Bildungen anderer Art, welche anscheinend auch in die Tiefe hinabreichen Granite und archäische Schiefer zwischen ihre Verbreitungsgebiete eingeschaltet sind.

Die Formation ist durchweg dadurch ausgezeichnet, dass sie nicht nur deutlich geschiefert ist, sondern dass sich mit ihrer Schieferung auch eine ausge­prägte Schichtung, ein Aufbau aus petrographisch stark wechselnden und im Streichen und Fallen weithin verfolgbaren Schichten, verbindet. Diese Schichtung ist im Kleinen wie im Grossen so unverkennbar entwickelt, dass an der sedimentären Entstehung der Formation meines Erachtens kein Zweifel ob­walten kann.

Der Masse nach vorherrschend sind Biotitgneisse. Nächst ihnen kommen Hornblendegneisse am häufigsten vor. Die Hornblendegneisse gehen nicht gerade selten, sowohl in einzelnen Bänken als auch in grösseren Massen, in reine Amphibolite über. Muskovitgneis.se habe ich nur ausnahmsweise beobachtet.

Granat ist als Gemengtheil des Gneisses im Küstengebiete häufig anzu­treffen. P> findet sich namentlich in einer Zone, welche Usambara, das Uluguru- Gebirge und die Bezirke Massassi und Namaputa umfasst und sich danach von Norden nach Süden zu erstrecken scheint. Am Nyassa habe ich granatführende Gneisse nur selten angetroffen. In Namaputa sind die Granat-Einschlüsse (Almandine) theilweise gut durchsichtig. Sie haben sich hier als schleifwürdig erwiesen. In den übrigen Bezirken wurde nur gemeiner, nicht verwerthbarer Granat beobachtet.

Graphitgneiss, d. i. ein Gneiss, in welchem der sonst vorhandene Glimmer mehr oder weniger vollständig durch Graphit ersetzt ist, kommt im Uluguru- Gebirge vielfach vor. Er ist hier in einer Zone verbreitet, welche das mittlere Gebirgsmassiv mit seinem östlichen Abfall umfasst, und wechselt in dieser Zone lagenweise mit Biotit- und Biotithornblendegneissen. Vereinzelte graphitführende Gneisslagen habe ich auch im Süden des Schutzgebietes hier und da nach- weisen können; dagegen habe ich im Nyassagebiete nichts von ihnen bemerkt. Abbauwürdige Graphit-Vorkommnisse haben nirgends aufgefunden werden können.