VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL.
Zusammenfassung der Ergebnisse.
A. Uebersicht der geographischen und geologischen Verhältnisse
der bereisten Gebiete.
I. Nyassagebiet.
Der Nyassa verdankt seine Entstehung, wie verniuthungsweise schon 1S81 von Joseph Thomson*) ausgesprochen und danach 1891 von Eduard Suess**) näher begründet worden ist, und wie sich heute mit Bestimmtheit behaupten lässt, einem in geologisch junger Zeit erfolgten grabenartigen Einbrüche der Erdrinde***).
Etir diese Art seiner Entstehung sprechen zunächst die orographischen Verhältnisse, indem der See mit einer Spiegelhöhe von 500 m in langgestreckter Form in ein Hochland eingesenkt erscheint, das sich beiderseits zu Meereshöhen von 1000 bis 2000 m und darüber erhebt. Dafür sprechen ferner die Tiefenverhältnisse des Sees. Nach den Ergebnissen der in neuester Zeit von englischer Seite ausgeführten Tiefenmessungen weist der See in seiner nördlichen Hälfte in weiter Erstreckung Tiefen von über 300 Faden oder 550 m auf und besitzt eine grösste, bisher durch Lothung ermittelte Tiefe von nahezu 800 m. Wir können uns diese Tiefen, die zum Theil noch um Hunderte von Metern unter den Spiegel des Indischen Ozeans hinabreichen, nach aller unserer Kenntniss von dem Wirken der Naturkräfte nicht anders entstanden denken als durch einen Einbruch der Erdrinde. Auf meinen Reisen habe ich die Spuren eines solchen Einbruchs aber auch vielfach unmittelbar beobachten können. Die Randverwerfungen, an welchen das Einsinken des »Nyassagrabens« erfolgt ist, haben sich an mehreren Stellen aus der Schichtenlagerung erkennen lassen. Das häufig beobachtete Vorkommen von Reibungsbreccien an den Abfällen zum See weist ferner darauf hin, dass hier bedeutende Gebirgsbewegungen stattgefunden haben. Auch die Schroffheit und der geradlinige Verlauf der Abfälle sind in manchen Strecken als deutliche Anzeichen einer Entstehung durch tektonischen Abbruch zu betrachten. Schliesslich ist auch ein auffälliger Gegensatz, der sich in der Art der Erosionswirkung in der Umgebung des Sees zu erkennen giebt, nicht ohne Bedeutung. Während in gewisser Entfernung vom See, in den den See umgebenden Hochlandsgebieten, flachwellige Formen, sanft eingesenkte, gefälls- schwache Thäler mit rundlichen Bergkuppen dazwischen, herrschen, Formen, wie sie den Ruhezustand am Plnde einer lange währenden, von fremden Ein-
*■) To the Centrill African I.altes and back. London 1881. II. App. III. S. 127.
**) Die Brüche des östlichen Afrika. Denkschr. d. K. K. Altad. d. Wiss. Wien 1891 S. 555 -
^ fff hierzu auch, den Abschnitt »Die Gräben«, bei Stromer v. Reichenbach a. a. O. S. 62.