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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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B. Ergebnisse der Reisen.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Im Hinterlande von Tanga treten Gebirgsmassen so nahe an die Küste heran wie nirgends sonst im deutsch-ost­afrikanischen Schutzgebiete. Es handelt sich um eine Gruppe von eigenthümlich scharf umgrenzten und von einander gesonderten Gebirgsinseln, die unter dem Gesammtnamen Usambara zusammengefasst zu werden pflegen. Die bedeutendste dieser Gebirgsinseln, West-Usambara, welche in den höchsten Erhebungen bis zu mehr als 2000 m Seehöhe aufsteigt, wurde auf der Reise nicht berührt. Dagegen wurde dem Gebirgsmassiv von Ost-Usambara oder Handei, das von West- Usambara durch die tiefe und breite, sumpfige Senke des Luengera geschieden ist und sich zu Seehöhen von über 1000 m erhebt, ein kurzer Besuch abgestattet. Ost-Usambara zeigt trotz des steilen Abfalls, mit dem es allseitig gegen eine weit tiefere Umgebung abgesetzt ist, auf der Höhe eine fast plateauartige, durch Thaleinschnitte nur in massiger Weise unterbrochene Entwickelung. Es bietet daher für die Anlage von Pflanzungen vorzügliche Bedingungen dar, die seither auch schon in weitem Umfange ausgenutzt worden sind. Es hat eine Länge von etwa 30 und eine Breite von 15 km und besitzt danach einen Umfang etwa gleich der Hälfte des Oberharzes. Bei der Berechnung des für Plantagen- Anlagen nutzbaren Flächenraumes fallen natürlich die stark zerschnittenen Rand- partieen aus, und darf die Grösse dieses Flächenraumes daher nicht überschätzt werden. Auf der Ostseite des Massivs erhebt sich, durch das Sigi-Thal von ihm abgetrennt, eine Bergmasse von sehr viel geringerem Umfange, aber gleich­wohl von einer Höhe, die noch bis zu 1140 m hinaufreicht, Mlinga mit Namen.- Auch auf der Höhe dieser Bergmasse haben sich Bodenflächen gefunden, die seither zur Anlage einer Kaffeepflanzung (Magrotto) ausgenutzt worden sind. Weiter östlich folgt ein flachwelliges Gebiet, das sich bis an die Küste heran­erstreckt. Seine Höhen betragen dem Mlinga-Berge zunächst 150 bis 100 m und nehmen nach der Küste zu im Allgemeinen ab. Einige Hügelrücken, die über das allgemeine Niveau emporragen, sind in der Nähe der Küste auf der Strecke von Tanga bis Moa vorhanden. Die Seekarte verzeichnet hier auf der Nordseite des unteren Sigilaufes eine Erhebung, die eine grösste Höhe von 148 m besitzen soll. Weiter nördlich, im Westen und Südwesten von Moa, erhebt sich dann ein Hügelrücken, der an seinem Nordende, in dem am 14. November erstiegenen Kilulu-Berge, eine Höhe von 250 m erreicht. Der der Küste zunächst liegende Landstreifen ist flach, aber durch Krieks ziemlich stark gegliedert. Die an der Küste Ostafrikas in so weiter Verbreitung nach­weisbare, 10 bis 20 m hohe Strandterrasse ist auch hier an manchen Stellen, namentlich bei der Stadt Tanga selbst, in scharf ausgeprägter Gestalt entwickelt.

2. Geologie (Uebersicht). Die gebirgigen Erhebungen von Usambara be­stehen, wie schon im ersten Kapitel (S. 9) erwähnt worden ist, aus Gneissen, vorwiegend Biotithornblendegneissen, oft mit reichlichem Gehalt an Granat, die in meridionaler Richtung streichen und nach Osten einfallen. Die gleichen Gesteine treten auch in dem östlich angrenzenden Flachlande bis zu einer ge­wissen Entfernung von der Küste in den tieferen Einschnitten zu Tage: im Sigi- flusse bis unterhalb der Stelle meines Ueberganges, im Mkulumusi bis unterhalb der Plantage Schöller. Was im ersten Kapitel (S. 10) über die Bedeckung der Gneisse durch röthlichbraun bis lebhaft ziegelroth gefärbte Lehme gesagt worden ist, trifft auch für das auf dieser Reise durchwanderte Gebiet zu. Die Lehme stellen theils das Verwitterungsprodukt der Gneisse in situ dar in solcher Form sind sie aut den Gebirgshöhen fast ausschliesslich zu finden, theils sind sie durch das Wasser über die felsige Unterlage ausgebreitet. Im letzteren Falle pflegen sie durch die Einlagerung horizontaler Kiesschnüre charakterisirt zu sein. Bezüglich der Beschaffenheit der Ackerkrume scheint zwischen diesen beiden Arten von Lehmen