Siebzehntes Kapitel. B. 1.
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Rückkehr dahin wurde die Osthälfte des Uluguru-Gebirges bis 7.11111 Südende des Hauptmassivs durchstreift. Der Marsch lehrte in der Gemarkung Mssassa ein schlecht aufgeschlossenes Glimmervorkommen, über das in der Kürze der Zeit kein abschliessendes Urtheil zu gewinnen war, und daneben an zahlreichen Stellen graphitführende Gneisse kennen. Der Graphit konnte nirgends in abbauwürdigen Lagerstätten aufgefunden werden. Die Untersuchung machte es wahrscheinlich, dass solche Lagerstätten im Uluguru-Gebirge überhaupt nicht vorhanden waren. Der Weg vom Südende des Hauptgebirgsmassivs nach dem Stuhlmann’schen Glimmergebiete führte in den weiten Gebirgskessel, aus dem der Hauptnebenbach des Mgeta, der Mbakana, seinen Ursprung nimmt. Hier war es, wo sich auf engem Raume bei einander eine grössere Zahl von abbauwürdigen Glimmerlagerstätten fand. Die Untersuchung der Lagerstätten nahm die Zeit vom 27. August bis 5. September in Anspruch. Da sie günstig genug ausfiel, um den Weitermarsch nach dem Stuhlmann’schen Gebiete überflüssig erscheinen zu lassen, wurde am 6. September der Rückmarsch nach Kissakki angetreten, das ohne weiteren Umweg schon am folgenden Tage wieder erreicht wurde.
Für die auf der Reise ausgeführten topographischen Arbeiten war von Bedeutung, dass kurz vor Antritt der Reise eine hauptsächlich auf den Aufnahmen Stuhltnann’s, daneben auf solchen Schlobach’s beruhende Karte des Uluguru-Gebirges in grossem Maassstabe (1 : 150000) erschienen war*), welche die Orographie und Hydrographie des Gebirges in den Grundzügen mit einer allen Bedürfnissen genügenden Zuverlässigkeit festlegte. Ich habe es danach nicht mehr für meine Aufgabe ansehen können, durch Vornahme umfassender Peilungen neues Material für die Zeichnung der abseits vom Wege liegenden Gebirgshöhen zu liefern. Statt dessen habe ich mich im Wesentlichen auf die Aufnahme der Route und die zu deren Eingliederung in die vorhandene Karte erforderlichen Beobachtungen beschränkt. Meine Absicht ist dabei vorwiegend gewesen, eine Grundlage für die Festlegung meiner geologischen Aufnahmen zu liefern. Ergänzende Geländeaufnahmen habe ich nur in dem westlichen Theile des Gebirgslandes, das von früheren Reisenden noch wenig durchstreift war, und in dem Gebiete der Mindu- und Nguru wa Ndege-Berge im Nordwesten von Uluguru ausgeführt. Eine Vergleichung der diesem Werke beigefügten Karte mit der erwähnten Karte grösseren Maassstabes wird erkennen lassen, inwieweit die Darstellung auf den älteren und inwieweit sie auf meinen Aufnahmen beruht.
B. Ergebnisse der Reise.
1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Das Uluguru-Gebirge stellt eine aus flacher Umgebung schroff aufragende »Gebirgsinsel« von ähnlicher Bedeutung dar wie die im Norden des Schutzgebietes gelegenen Gebirgsinseln von Usambara und Pare. Das Gebirge nimmt dem Umfange nach eine Mittelstellung zwischen Ost- und West-Usambara ein, übertrifft beide aber erheblich an absoluter wie relativer Höhe. Sein Werth fürPlantagenanlagen wird durch das hiernach zwischen Umfang und Höhe bestehende ungünstige Verhältnis stark beeinträchtigt: das Gebirge besitzt in den meisten Theilen einen so wild zerrissenen Charakter, dass sich für Plantagen-Unternehmungen nur Bodenflächen von verhältnismässig geringem Umfange ausfindig machen lassen werden. Pline Vorstellung von seiner orographischen Bedeutung gewinnt man am besten, wenn man sich ver-
'■) Usiirnmo. Ukami und die. U 1 utjuru- Berge, nach den Aufnahmen und Ortsbestimmungen ron Dr. I'. .Stuhlmann und Premierlieutenant Schlobach etc. konstruirt und gezeichnet von lh\ Richard Kiepert und Max Moiscl. Maassstab i : 150000,