Druckschrift 
Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

Landschaft im Nordwesten von Lindi.

231

B. Ergebnisse der Reise.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Das bereiste Gebiet zerfällt oro- oraphisch in zwei scharf von einander unterscheidbare Abschnitte: während sich längs der Küste in einer Breite von 12 bis 15 km ein Hügelland ausdehnt, aus welchem einzelne rundlich geformte Rücken und Kuppen bis zu Höhen von 200 m und darüber aufragen, ist im Westen eine durch plateauförmige Er­hebungen ausgezeichnete Landschaft -belegen.

Unter den aus dem Hügellande aufragenden Rücken verdient der auf der Westseite der Lindi-Bucht sich erhebende Kitulo, welcher an seinem Nordende eine Höhe von mehr als 240 m erreicht, besondere Erwähnung. Die zu den Seiten des unteren Nangaru gelegenen Hügelkuppen haben auf der Reise nur unvollkommen festgelegt werden können.

Die Plateau-Landschaft ist im Süden durch eine breite Thalsenke, deren Mitte von dem Sumpfsee Lutamba eingenommen wird, von dem Hügellande getrennt. Im Norden grenzen beide Landschaftsformen unmittelbar aneinander.

Die Plateau-Landschaft ist durch Thaleinschnitte in eine Anzahl ganz oder fast ganz von einander getrennter Plateau-Stücke zerlegt, die meist von steilen Rändern begrenzt werden und in ihrer Höhe zwei deutlich unterscheidbaren Stufen angehören. Die einzelnen Plateaus gruppiren sich um einen 16 km langen und 2 bis 4 km breiten Thalkessel, in welchem der Nangaru seine Zuflüsse sammelt. Auf der Westseite dieses Kessels erhebt sich das 500 bis 525 m hohe Noto-Plateau, auf der Nordseite das 475 m hohe Plateau von Likonde-Kitale, das einerseits durch mehrere unbedeutende Plateaureste mit Noto, andererseits durch die Einsattelung von Kituhawi mit dem in 450 m Seehöhe gelegenen Likonde- na-Kuremba-Plateau in Verbindung steht. Während alle diese Plateaustücke einer und derselben Stufe, die sich von 450 m westwärts ganz allmählich auf 525 m hebt, angehören, breiten sich auf der Ost- und Südseite des Nangaru- Kessels Plateauflächen einer tieferen Stufe aus: zur Linken des Nangaru das 275 m hohe Plateau von Litshihu und zur Rechten das 250 m hohe Plateau von Kikomolela.

Das in der Ferne sichtbare, nördlich von der Lukuledi-Senke sich er­hebende Rondo-Plateau geht in seiner Höhe noch beträchtlich über diejenige von Noto und Likonde hinaus. In Bezug auf diese höchste Plateaumasse sind die den Nangaru-Kessel umgebenden Plateaus daher nur als Vorstufen zu be­trachten, wie wir solche auf der Reise von Lindi nach dem Nyassa auch in der südlichen Umgebung des Rondo-Plateaus kennen gelernt haben.

2. Geologie (Uebersicht). (Vgl. Profil Figur 7, Tafel XIII.) Die ältesten auf der Reise beobachteten Bildungen gehören nach den in ihnen enthaltenen Petrefakten der unteren Kreide, und zwar wahrscheinlich der Stufe des oberen Neokoms an. Sie bestehen aus flach gelagerten, dunkelgrauen bis braunen, mehr oder weniger mergeligen Thonen, welche Bänke von sandigem Kalkstein einschliessen. Der Kalk ist vielfach mit Fossiltrümmern durchsetzt. Gut erhaltene Fossilien haben aber nur vereinzelt daraus gewonnen werden können. Einzelne Bänke sind durch häufiges Vorkommen von Korallen aus­gezeichnet.

Die hierhergehörigen Schichten wurden an folgenden Stellen beobachtet:

1. am Westfusse des Litshihu-Plateaus zwischen 140 und 180 m Meereshöhe,

2. am Nordfusse des Kikomolela-Plateaus in der gleichen Höhe,

3. am Westende des Likonde-Kitale-Plateaus in dem daselbst zum Lager des 15.T6. April hinabführenden Tshikotsha-Bache von 275 m Meereshöhe abwärts.

Die grössere Höhenlage des Aufschlusses 3 erklärt sich daraus, dass hier dicht neben der Aufschlussstelle eine Verwerfung durchsetzt, an welcher die Süd-