VIERZEHNTES KAPITEL.
Reise von Lindi über Mtshinga nach dem Noto-Plateau und über Kikomolela zurück nach Lindi.
Vom 6. bis 17. April 1897.
A. Verlauf der Reise.
Nachdem die Untersuchung der Kohlenfunde von Yombo und Dunda hinter Bagamoyo ein negatives Ergebniss gehabt hatte, musste die wichtigste Aufgabe darin erkannt werden, die Beschaffenheit des im Hinterlande von Mtshinga, am Nordfusse des Noto-Plateaus, aufgefundenen Kohlen-Vorkommens näher festzustellen. Die Kohlenfundstelle lag nur 40 km von der Küste, von dem Hafenorte Mtshinga, entfernt. Bestätigte es sich, dass hier ein abbauwürdiges Vorkommen # von Kohle, sei es auch nur, worauf die Proben schliessen Hessen, von guter Braunkohle, vorhanden war, so musste der Fund für die Entwickelung des Schutzgebietes von hervorragender Bedeutung werden.
In den ersten Tagen des April begab ich mich an Bord des Gouvernements- Dampfers »Rufiyi« von Dar-es-Salam nach Lindi. Von da wurde am 6. April die Landreise angetreten. Statt des geraden Weges nach dem Noto-Plateau musste ein Umweg über Mtshinga eingeschlagen werden, da hier zunächst ortskundige Leute gewonnen werden sollten, die nach den vorliegenden Berichten über die Lage der Fundstätten und die schon in früherer Zeit unternommenen Ausbeutungsversuche Bescheid wussten.
Unter Führung eines mit den Verhältnissen wohlbekannten Küstenhändlers wurden dann die Fundstätten besucht.
Die Untersuchung ergab, dass es sich an den bekannten Fundstätten nur um geringe Spuren von Kohle, welche praktisch ohne alle Bedeutung waren, handelte. Da auch der Versuch, die kohlenführende Zone im Streichen zu verfolgen, um sie an anderer Stelle möglicherweise mit reicherer Kohlenführung wieder aufzufinden, trotz guter Aufschlüsse ohne Erfolg blieb, konnte die Rückkehr nach Lindi schon Mitte April erfolgen.
War das Ergebniss der Reise in praktisch-bergmännischer Beziehung negativ gewesen, so hatten um so werthvollere Ergebnisse auf rein geologischem Gebiete erzielt werden können. In erster Linie war es möglich gewesen, über den Aufbau der »Makonde-Schichten« und ihre Lagerungsbeziehungen zu älteren und jüngeren Bildungen Beobachtungen anzustellen, die, wenn sie auch noch nicht nach jeder Richtung Klarheit brachten, doch in der Erkenntniss der that- sächlichen Verhältnisse erheblich förderten. Petrefakten hatten an einer Reihe von Fundstellen und aus verschiedenen geologischen Horizonten gesammelt werden können.