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Zwölftes Kapitel. B. x.
Tshiromo an der britisch-portugiesischen Grenze gelangten wir am 10. Januar zum Zambesi und am 13. Januar nach dem an einem Mündungsarme des Zambesi gelegenen Küstenorte Tshinde. Die Fahrt ging, da im Shire wie im Zambesi hoher Wasserstand herrschte, im Allgemeinen glatt von Statten. Durch Zufall fiel unsere Ankunft an der Küste gerade auf dasselbe Datum, an dem wir ein Jahr zuvor bei Lindi die Küste verlassen hatten.
Mit dem Anschlüsse zur Weiterfahrt nach Dar-es-Salam trafen wir es in Tshinde ungünstig. Da vor Kurzem erst ein Dampfer nach Dar-es-Salam abgegangen war, stand erst in sechzehn Tagen wieder eine Fahrgelegenheit dahin in Aussicht. Um diese Zeit nicht nutzlos verstreichen zu lassen, entschloss ich mich, mit dem der Deutschen Ostafrika-Linie gehörigen Dampfer »Peters« einige Fahrten längs der Küste zu unternehmen. Der Dampfer lief zunächst Quelimane nördlich, dann Beira südlich von der Zambesi-Mündung an und fuhr danach über Inhambane nach Delagoa-Bay. Hier erreichte ich den Dampfer »Herzog« der Deutschen Ostafrika-Linie, auf dem ich dann über Beira und Mozambique am 'S. Februar in Dar-es-Salam anlangte.
Schwarz, der die Fahrt nach Delagoa-Bay nicht mitgemacht hatte, wurde von dem »Herzog« in Beira aufgenommen.
Ist es mir auch nicht möglich gewesen, wissenschaftliche Beobachtungen von bleibendem Werte auf diesen Seefahrten anzustellen, so habe ich auf ihnen doch mancherlei Anregungen empfangen und eine Vorbereitung für meine späteren Fahrten an der Küste von Deutsch-Ostafrika genossen, wie ich sie mir besser nicht hätte wünschen können.
B. Ergebnisse der Reise.
1. Kurze geologische Mittheilungen. Die Insel Likoma besteht aus Granit von derselben Beschaffenheit, wie er an der Ostküste des Nyassa vom Bahi- Berge bis Mbamba-Bay verbreitet ist. Auch in Nkata-Bay und Monkey-Bay stand ein gleichartiger Granit an. In Monkey-Bay war deutlich zu beobachten, wie das Gestein bis kopfgrosse, scharfkantige Bruchstücke von Gneissen verschiedener Art und von Amphibolit einschloss. Der Granit muss hier danach jünger sein als die eingeschlossenen Gesteine, und diese müssen in ihrer Eigenart beim Emporquellen des Granits schon fertig ausgebildet gewesen sein.
Die Randberge des Nyassa zeigen auf der Westseite des Sees nur ausnahmsweise den gestreckten, wandartigen Abfall, durch den sie auf der Ostseite von Ikombe über Mbamba-Bay bis in die Gegend von Likoma ausgezeichnet sind. Die Erhebungen gliedern sich statt dessen in mehrere grosse Hochflächen mit dazwischen gelegenen niedrigeren Berglandschaften. Der Fuss des Anstieges tritt auf manchen Strecken zwar dicht an das Seeufer heran, weicht auf anderen aber weit davon zurück und lässt einen flachen Uferstreifen vor sich liegen. Tafelberge habe ich ausser dem an der Florence-Bay gegenüber der Ruhuhu-Miindung gelegenen Mount Waller nicht wahrgenommen.
Die Ostseite des Sees besitzt von Likoma an südwärts einen ähnlichen Charakter wie die Westseite. Die Höhe der Erhebungen bleibt hier wie auf der Westseite merklich hinter derjenigen der Kingaberge und der Randberge von Mbamba-Bay zurück.
Trotz der wechselvolleren Gestaltung, welche die Randabfälle südlich von Likoma und auf der ganzen Westseite des Nyassa besitzen, wird anzunehmen sein, dass ihre Entstehung hier gerade so wie im Nordosten des Sees auf tektonische Abbrüche zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist dabei der Parallelismus, der sich in dem mehrfach gebrochenen Verlaufe der beiderseitigen Randabfälle zu erkennen giebt.