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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
Seite
191
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ZW(')LFTES KAPITEL.

Reise von Langenburg über den Shire und Zambesi

nach Dar-es-Salam.

Vom 22. Dezember 1896 bis 8. Februar 1897.

A. Verlauf der Reise.

Am 22. Dezember in der Frühe lichtete der Wissmann-Dampfer in Langen­burg zur Fahrt nach dem Süden die Anker, und zum letzten Male ruhte unser Blick auf den schönen Berglinien des nördlichen Nyassalandes, die auf so mancher Fahrt über die blaue Seefläche unser Auge erfreut hatten.

Ohne Zwischenfall gelangten wir über Karonga, Wiedhafen und Nkata-Bay bis zum 24. Dezember Abends nach der Insel Likoma, wo wir auf der Haupt­station der englischen Universitäten-Mission das Weihnachtsfest verlebten. Am 26. Dezember wurde die Fahrt fortgesetzt und über Kota-Kota, Fort Maguire und Monkey-Bay am 29. Dezember Fort Johnston, am Ausflusse des Shire aus dem Nyassa, erreicht.

Die Fahrt bot Gelegenheit zu einigen interessanten Feststellungen über die Schwankungen, die der Nyassa-Spiegel in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hatte. Im Uebrigen ging sie zu schnell von Statten, und wurde das Land auch zu selten berührt, als dass eine nennenswerthe geologische Ausbeute auf der Reise hätte erzielt werden können.

Von Fort Johnston aus wurde am 30. Dezember auf einem eisernen »Haus­boote« der African Lakes- Corporation die Weiterfahrt den Shire abwärts an­getreten. Am 31. Dezember Vormittags wurde Matope, die letzte Flussstation vor den Stromschnellen des Shire, erreicht. Wir kamen zu so früher Tageszeit an, dass wir unter Benutzung der Traghängematte, des üblichen Beförderungs­mittels in Britisch Zentral-Afrika, noch am nämlichen Tage spät Abends nach Blantyre, dem Hauptorte des Handels- und Plantagenbetriebes im »Shire-Hoch- lande«, gelangen konnten.

Der Zeitgewinn, den wir durch die schnelle Reise erzielt hatten, blieb leider ohne Nutzen, da unser Gepäck statt am folgenden Morgen, wie uns in Matope zugesichert worden war, erst zwei Tage später nach Blantyre hinauf­geliefert wurde. So wurde die Zeit für einen Abstecher, den ich nach Zomba, dem Sitze der Verwaltung von Britisch Zentral-Afrika, geplant hatte, zu kurz. Ich konnte mich nur über den Betrieb einiger Kaffee-Pflanzungen in der Um­gebung Blantyres flüchtig unterrichten. Dann mussten wir am 6. Januar 1897 die Weiterreise antreten, um in Katunga, der Anfangsstation des schiffbaren Unterlaufes des Shire, den nach Tshinde fahrenden Flussdampfer, einen flach gebauten Heckraddampfer der African Lakes-Corporation, zu erreichen. Ueber