Manow und Muakaleli.
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B. Ergebnisse der Reise.
9. Dezember. Von Manow nach Muakaleli. Die Station Manow ist in 1580 m Meereshöhe am Stidfusse des Kieyo gelegen. Bei gutem Wetter hat man von hier eine prächtige Aussicht über das im Süden sich ausbreitende Bergland, über den Nyassa bis weit im Süden nach Wiedhafen und Deep-Bay hin und über die Gebirgsränder, welche den »Nyassa-Graben« im Osten und Westen begrenzen. In den Tagen, in denen ich mich in Manow auf hielt, herrschte so starkes Nebelwetter, dass sich nur vorübergehend ein Ausblick auf den einen oder anderen Theil der Landschaft darbot. Eine Aufzeichnung der Landschaftsformen und eine Festlegung derselben durch Peilungen hat infolgedessen nicht stattfinden können.
Der Boden besteht in der Umgebung der Station aus einem ziemlich humusreichen vulkanischen Tuff, unter dem an manchen Stellen, namentlich gegen den Anstieg zum Kieyo hin, Laven hervortreten. Der Weg nach Muakaleli führte an der Westseite des Kieyo über besonders ausgedehnte, auffallend wenig verwitterte Lavafelder hinweg. Während hier nur ein kümmerlicher, vielfach unterbrochener Busch gedeiht, sind die obersten Höhen des Kieyo mit Hochwald bedeckt.
Auf dem Weitermarsche wurden am Nordabfall des Kieyo, nahe seinem Fusse, zwei wohlerhaltene Krater beobachtet. Der obere von ihnen hat eine Oeffnung von 40 m. Sein Rand weist auf der Nordseite eine Lücke auf, bis zu deren Niveau der Kraterboden nahezu aufgefüllt ist. Der Rand des unteren Kraters ist bei einem Durchmesser von 25 m rings geschlossen. Der Schlund verengt sich nach unten und ist mit Büschen und Bäumen so verwachsen, dass man nicht bis auf den Grund sehen kann. Aus dem Aufschlagen von hineingeworfenen Steinen war auf eine Tiefe von mindestens 30 m zu schliessen. Die als Führer mitgehenden Eingeborenen behaupteten, dass auf der Höhe des Kieyo noch mehrere ähnliche offene Kraterschlünde vorhanden seien.
10. Dezember. Muakaleli. Nur wenige Kilometer nordöstlich vom Fusse des Kieyo liegt in 1570 m Meereshöhe die Missionsstation Muakaleli inmitten eines grossartigen, von hohen Gebirgsmassen umschlossenen, weiten, flachen Thalkessels auf einer Terrassenfläche, die auf zwei Seiten von tief eingeschnittenen Thalschluchten, im Osten von der Thalschlucht des Lufirio, im Westen von derjenigen des Muatessi-Baches, begrenzt wird. Beide Bäche, die sich an Stärke etwa gleichkommen, vereinigen sich wenige hundert Meter unterhalb der Station.
Die Terrassenfläche ist jenseits der Thalschluchten in fast gleicher Höhe wiederzufinden und lässt sich allseitig bis an den Fuss des Gebirgsanstieges auf Entfernungen von 0,5 bis 3 km verfolgen. Ihr Boden besteht zu oberst aus dunklem, ziemlich humusreichem, lockerem, vulkanischem Tuff. Nach der Tiefe verliert sich der Humusgehalt, und nimmt der Tuff gelblichgraue Färbung an. Der Tuff reicht in dieser Beschaffenheit bis fast zur Sohle der 60 bis 80 m tief eingeschnittenen Bachbetten hinab. Hier finden sich dann zwei, je einige Meter starke Andesitdecken (Gesteinsprobe 3) in ihn eingeschaltet.
Der Kieyo wendet der Station ein stark gegliedertes Profil zu, aus welchem sich im Osten der Kegelberg Kipaka heraushebt, während im Westen die breite Masse der Haupterhebung zu einer Höhe von schätzungsweise 800 m über Muakaleli aufragt.
Ueber der flachen Einsattelung zwischen dem Kieyo und dem Rungue erscheinen die Kuppen des Lianduli- und des Lukata-Berges, von denen die erstere eine Höhe von 400 m über Muakaleli besitzt. Rechts vom Lianduli steigt das Gelände allmählich zu dem gewaltigen Massiv des Rungue an, dessen