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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Aufbau des Tafellandes am Ruhuhu.

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nur eines geringen Zeitaufwandes bedurfte, um die nöthigen Feststellungen über Mächtigkeit und Beschaffenheit der Schichten zu machen. Leider stellte sich dabei heraus, dass die Kohlenlagerstätten durchweg zu wenig mächtig und zu unrein waren, als dass sie für abbauwürdig hätten gelten können.

Eine Verfolgung der Spuren, die auf ein Vorkommen von Kohle im Zuflussgebiete des Ruhuhu, in grösserer Entfernung vom See, hinwiesen, wurde, da sie jetzt zu lange aufgehalten haben würde, auf gelegenere Zeit verschoben. (Der Tod v. Eltz hat die Ausführung der Untersuchung nachmals leider vereitelt). Zunächst wurde die Gelegenheit, welche das Anlaufen des Wissmann-Dampfers in Wiedhafen am 20. Mai bot, benutzt, um nach Langenburg zurückzukehren und von da ungesäumt die Untersuchung des Kohlengebietes zwischen Ssongue und Kivira wieder aufzunehmen.

B. Ergebnisse der Reise.

1. Uebersicht des Schichtenaufbaues und der Lagerungsverhältnisse.

(Vergl. das Gebirgsprofil Fig. 4 auf Tafel XII). Die auf den früheren Reisen angestellten Beobachtungen konnten auf der jetzigen soweit ergänzt werden, dass es möglich war, einen leidlichen Ueberblick über den Aufbau und die Lagerungsverhältnisse der die Tafellandschaft am unteren Ruhuhu zusammen­setzenden Schichten zu gewinnen.

Die Schichtenfolge besteht danach aus folgenden drei Stufen:

a) Obere Stufe: Etwa 300 m abwechselnd feinkörnige, thonige, oft kalkhaltige Sandsteine, Mergelschiefer und sandige Thonschiefer.

b) Mittlere Stufe: 40 m dickbankige feste Sandsteine,

80 » kohlenfiihrende Schichtenfolge,

40 » Schieferthone.

c) Untere Stufe: Etwa 400 m dickbankige, meist feste, mittel- bis grob­körnige Sandsteine, zu unterst in Konglomerate übergehend.

Die Schichtenfolge zeigt petrographisch mit der im Nordwesten des Nyassa beobachteten eine bemerkenswerthe Uebereinstimmung. Auch dort finden sich die Kohlen in der Mitte des ganzen Schichtenaufbaues und werden unterlagert von mächtigen Sandsteinen, überlagert von einer Schichtenfolge, die wie hier durch verhältnismässig geringe Festigkeit, häufigen Wechsel des Gesteincharakters und das Vorkommen kalkiger Bildungen ausgezeichnet ist.

Die weiteste Verbreitung besitzt am Ruhuhu die untere Stufe. Sie bildet die Schichtentafeln, die sich nördlich und südlich vom Ruhuhu-Thale in flacher Lagerung und mit ziemlich gleichmässiger Höhe ausbreiten. Die obere Stufe habe ich nur in zwei abgesunkenen Schollen, welche beide eine auffallend unebene Oberfläche aufweisen, erhalten gefunden. Die eine der Schollen gipfelt in der Dudyspitze. Ihre südliche Grenzverwerfung verläuft durch das Thal des Mtshut- shuma-, die nördliche anscheinend durch das des Tshalo-Baches. Die zweite Scholle ist an der Südgrenze des Tafellandes gelegen, wo sie unmittelbar an das Gneissmassiv der Lihinga- und Langangonda-Berge stösst. Sie wird von zahlreichen Nebenbrüchen durchsetzt. Ihre oberste Erhebung, der Kuigalo-Berg, ragt als Horst über die Umgebung empor.

Die mittlere Stufe hat vollständig nur im Bereiche der südlichen Scholle beobachtet werden können. Sie findet sich hier an zwei Stellen, im Bette des oberen Mtambalala-Baches, des linksseitigen Hauptzuflusses des Ndombi-Baches, undamSiid- abfall des Kuigalo-Baches, aufgeschlossen. Beide Aufschlüsse ergänzen sich, indem im Mtambalala-Bache gerade diejenige Schichtenpartie, welche am Kuigalo-Berge durch Gehängeschutt verdeckt ist, d. i. die obere Hälfte der 80 m mächtigen kohlenführenden Schichtenfolge, frei zu Tage liegt.