Oberflächengeslaltung im Nordwesten des Nyassa.
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B. Ergebnisse der Reise.
1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Der Weg von Langenburg am Seeufer entlang bis zur Ssongue-Miindung führt über die Mündungen dreier anderer Flüsse, die gleich dem Ssongue im Gebirgslande ihren Ursprung haben und in ihrem Unterlaufe die Konde-Ebene durchströmen, des Lufirio, Mbaka und Kivira, hinweg. Der Lufirio ist unter ihnen der wasserreichste. Nächst ihm folgt der Ssongue, dem der Kivira an Bedeutung wenig nachgiebt. An letzter Stelle kommt der Mbaka. Die Mündungsbreite beträgt bei allen vier Flüssen ziemlich übereinstimmend 75 bis 100 m. Ihre Schiffbarkeit ist sehr beschränkt. Da das Gefälle auch in der Ebene noch beträchtlich ist, herrscht in der Regenzeit übermässig starke Strömung, in der Trockenzeit dagegen unzureichende Wassertiefe. .Selbst für Kanoes ist die'Befahrung der Flüsse infolgedessen vielfach schwierig. Grössere Fahrzeuge können nur ganz kurze Flussstrecken nahe am See befahren.
Die Konde-Ebene liegt im Allgemeinen 4 bis 6 m über dem Abflussniveau. Flussaufwärts steigt sie allmählich an. Zwischen den hochwasserfrei gelegenen oder doch nur ausnahmsweise überflutheten Landflächen finden sich vielfach solche, die entweder ständige Sümpfe bilden oder in der Regenzeit weithin unter Wasser stehen. Die ausgedehnteste Sumpffläche scheint zwischen dem Kivira und dem Mbaka gelegen zu sein. Ihr Abfluss ist der einige Kilometer nördlich vom Kivira in den See mündende Mbassi-Bach.
Das im Westen und Nordwesten an die Ebene sich anschliessende Gelände zeigt im Bereiche der Route ziemlich verwickelte Formen.
Im Süden erhebt sich das 300 bis 400 m hohe, durch rundliche Umrissformen ausgezeichnete Bergland Kapembe, von dem der Ssongue eine 80 m hohe Vorhöhe, den Kasimulo, gerade an der Stelle abgeschnürt hat, wo sich der Lauf des Kivira demjenigen des Ssongue bis auf 800 m nähert.
Nördlich von diesem Berglande dehnt sich ein Hügelland aus, durch das der Ssongue und Kivira in breiten Thalsenken hindurch fliessen.
Die Thalsenken haben keinen ebenen Boden. In 20 bis 40 m Höhe über der heutigen, verhältnissmässig schmalen Thalsohle finden sich die Reste mehrerer alter Thalterrassen, einer unteren von 580 bis 590 und, weiter thalaufwärts, einer oberen von 620 bis 630 m Meereshöhe. Durch Erosionswirkung sind die Terrassen vielfach in ein welliges Gelände, das nur hin und wieder noch Reste der ehemaligen Terrassenflächen enthält, aufgelöst.
Das zu den Seiten der Thalsenken gelegene Hügelland unterscheidet sich von dem Kapembe-Berglande durch das häufige Auftreten kantiger Formen von theils tafel-, theils gratartigem Charakter. Seine höchsten Erhebungen hat es einerseits im Norden, wo sich die Ilima-Berge mit 900 bis 1050 m Meereshöhe über ein unregelmässig zerschnittenes Vorland erheben, andererseits im Westen, wo ein in Richtung NNW. — SSO. streichender, 1000 bis 1200 m hoher, kammartig entwickelter Bergrücken hoch über seine östliche Umgebung ansteigt. Der Rücken wird durch das tief und eng eingegrabene Mualessi-Thal in zwei Abschnitte, den Iwogo im Norden und den Kavolo im Süden, zerlegt. Der Iwogo ist in noch höherem Grade als der Kavolo durch einen schroff und felsig gestalteten Kamm ausgezeichnet.
Jenseits des Iwogo-Kavolo-Rückens folgt ein den Rücken an Höhe überragendes Bergland, das wieder ausgesprochen rundliche Formen aufweist. Es besteht aus einem unregelmässigen Gewirr von Bergkuppen und Bergrücken, die durch tief eingeschnittene Thalzüge von einander getrennt sind. In der nördlichen Hälfte entwässert es durch den Mualessi zum Kivira, in der südlichen zum Ssongue, der als Hauptzufluss aus diesem Gebiete den Tshiya erhält. Das mittlere Niveau des Landes wird etwa 1400 m betragen.